Letzter Schrei: Das Schwarze Loch im Zentrum einer Galaxie frisst Material, das als letztes Lebenszeichen gewaltige Röntgensstrahlen von sich gibt. - © ESA/AOES Medialab
Letzter Schrei: Das Schwarze Loch im Zentrum einer Galaxie frisst Material, das als letztes Lebenszeichen gewaltige Röntgensstrahlen von sich gibt. - © ESA/AOES Medialab

Während die US-Raumfahrt den Wettlauf zum Mars aufnimmt, sucht Europa nach bewohnbaren Planeten im gesamten Kosmos und erkundet auch seine dunklen Seiten. Die europäische Weltraumagentur ESA will sowohl die Rolle von Schwarzen Löchern in der Geschichte des Alls als auch die vielfältigen Formen von Leben ergründen. Günther Hasinger, Wissenschaftlicher Direktor der ESA, gibt zudem Einblicke, mit welchem Ende das Universum zu rechnen hat.

"Wiener Zeitung": Als führender Röntgen-Astronom erforschen Sie die Entstehung von Galaxien und Schwarzen Löchern. Was wissen wir über das supermassive Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie?

Günther Hasinger: Früher wurde daran gezweifelt, dass es Schwarze Löcher tatsächlich gibt. Jenes im Zentrum der Milchstraße lieferte jedoch nagelfeste Beweise für ihre Existenz. Es ist das am besten studierte Schwarze Loch. Jüngst konnte man sogar beobachten, wie die Uhr eines Sterns, der um das Massemonster saust, langsamer zu ticken beginnt. Albert Einstein hatte ja vorhergesagt, dass um schwere Massen die Uhren langsamer laufen.

Günther Hasinger geboren 1954 in Oberammergau, ist Direktor für Wissenschaft der Europäischen Weltraumagentur ESA. Er studierte Physik an der Universität München, war Direktor der Röntgengruppe am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und Leiter des Instituts für Astronomie der Universität Hawaii. - © esa.int
Günther Hasinger geboren 1954 in Oberammergau, ist Direktor für Wissenschaft der Europäischen Weltraumagentur ESA. Er studierte Physik an der Universität München, war Direktor der Röntgengruppe am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und Leiter des Instituts für Astronomie der Universität Hawaii. - © esa.int

Was darf man sich unter der Uhr eines Sterns vorstellen?

Heute werden alle physikalischen Quantitäten mit Atomuhren gemessen. Diese basieren auf den spektralen Übergängen von Atomen innerhalb der Uhr. Spektralübergänge gibt es auch in den Atmosphären von Sternen. Ein Stern sendet Fingerabdrücke von chemischen Elementen, wie etwa Sauerstoff oder Stickstoff, in Form von Absorptionslinien im Spektrum der Sonne aus. In der Nähe des Schwarzen Loches verschieben sich diese Linien. Daran merkt man, dass die Uhr des Sterns wie Einstein vorhersagt in der Nähe von großen Massen anders läuft.

Wimmelt das Universum nur so von Schwarzen Löchern?

Wenn Sie ein Röntgenteleskop an den Himmel richten, ist der Himmel nicht voller Geigen, sondern voller Schwarzer Löcher. Ich entdecke Röntgenstrahlen. Eigentlich würde man erwarten, dass man die lichtverschluckenden Himmelskörper nicht sieht. Aber sie saugen jede Materie ein. Der letzte Schrei der Materie, bevor sie für immer verschluckt wird, sind Röntgenstrahlen. Sie gehören zu den hellsten Objekten im Universum, man nennt sie Quasare. Messungen zeigen, dass jede Galaxie ein Schwarzes Loch beinhaltet. Man hat sogar beobachtet, wie Sterne in der Nähe der Massemonster zerfetzt werden.

Früher wurde spekuliert, ob das Universum zu einem gigantischen Schwarzen Loch kollabieren könnte. Heute weiß man, dass sich das All immer schneller ausdehnt. Was passiert beim Ende des Universums?