Kopenhagen/Wien. In manchen Regionen der Erde gibt es eine besonders hohe Artenvielfalt. Warum das so ist, darüber rätseln Forscher seit mehr als 200 Jahren. Schon Charles Darwin, Alfred Russel Wallace und letzten Endes Alexander von Humboldt lieferten Bausteine zur Evolutionstheorie. Doch diese Frage bleibt weiter unbeantwortet. In Studien wurde nun gar festgestellt, dass der Artenreichtum, wie er im Gebirge Realität ist, noch viel größer zu sein scheint, als er mittels Hypothesen bisher skizziert wurde. Möglicherweise könnte aber dort die Antwort begraben liegen, berichten Wissenschafter im Fachblatt "Science".

Ein Teil der Erklärung dürfte in den klimatischen Bedingungen zu finden sein. Denn diese seien in den schroffen Gebirgen der Tropen grundlegend anders als jene in den benachbarten Tieflandregionen - nämlich wesentlich abwechslungsreicher. Diese einzigartige Heterogenität könnte eine Schüsselrolle spielen, wenn es um die Aufrechterhaltung einer hohen Diversität geht, heißt es in der Publikation.

Vom Äquator bis zu den Polen

"Oft ist von einem öden und harschen Gebirge die Rede", sagt der Ökologe Michael K. Borregaard von der Universität Kopenhagen. "Doch die artenreichste Bergregion der Welt, die nördlichen Anden, beherbergt nahezu die Hälfte der weltweiten Klimatypen auf einem relativ kleinen Areal. Das ist wesentlich mehr, als es in der Amazonasregion der Fall ist, die mehr als zwölf Mal so groß ist", erklärt der Forscher.

Dabei zieht er einen erstaunlichen Vergleich: Gebirge in den Tropen erfahren über einige wenige Kilometer ebenso viele Temperaturunterschiede, wie sie sich über eine Strecke von 10.000 Kilometern - vom Äquator bis zu den Polen - Jahr für Jahr präsentieren, bringt es Borregaard auf den Punkt. "Es ist ziemlich erstaunlich, wenn man darüber nachdenkt."

Ein weiterer Teil der Antwort dürfte in geologischen Bedingungen begraben liegen - nämlich in den Dynamiken, wie sich Gebirge bilden. Diese geologischen Abläufe, die mit komplexen Klimageschehnissen interagieren, bieten genügend Möglichkeiten, wie evolutionäre Prozesse stattfinden können, heißt es in der Studie.

Darin wird auch auf Alexander von Humboldt Bezug genommen, dessen Geburtstag sich am Samstag zum 250. Mal jährt. Er hatte Lateinamerika fünf Jahre lang erforscht und die Vegetationszonen der Anden ebenso bestaunt. "Unsere Arbeit ist eine Fortsetzung seiner Erkenntnisse" - angereichert um die Fachgebiete Makroökologie, evolutionäre Biologie, Erdgeschichte und Geologie, betont Carsten Rahbek, Forscher des Globe Instituts der Universität Kopenhagen.