Ihr trillernder Gesang ist unverkennbar. Zu hören ist er heute allerdings kaum noch. Der Himmel über den Ackerflächen scheint nach und nach zu verstummen. Während die Feldlerche über lange Zeit die Klangkulisse im ländlichen Raum mitgeprägt hat, ist sie heute wesentlich seltener anzutreffen. Auch die Bestände anderer Vogelarten sind in den letzten 20 bis 50 Jahren unterschiedlich stark - manche gar um 90 Prozent - geschrumpft. Eine Studie aus den USA und Kanada zeigt, dass die Zahl der Vögel seit 1970 um mehr als ein Viertel zurückgegangen ist. Ornithologen sprechen im Fachmagazin "Science" von einer ökologischen Katastrophe. In Österreich ist die Situation aber ebenso besorgniserregend. Am schwersten betroffen sind in Feld- und Wiesenlandschaften lebende Vogelarten - wie die besagte Feldlerche mit ihren auffälligen Stakkatofolgen.

"In Österreich sind in den vergangenen 20 Jahren 42 Prozent der Feldvögel verloren gegangen", beschreibt Gabor Wichmann, Geschäftsführer von Birdlife Österreich, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" die Lage. Der Bestand der Rebhühner ist gar um 85 Prozent geschrumpft. Die Intensivierung der Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und die Zerstörung und Ausräumung von Lebensräumen sind die Hauptursachen für diese Entwicklung.

Brutplätze werden zerstört

Die Feldlerche wurde zum Vogel des Jahres 2019 gekürt. Sie bevorzugt feuchte, offene Flächen. - © Birdlife Österreich
Die Feldlerche wurde zum Vogel des Jahres 2019 gekürt. Sie bevorzugt feuchte, offene Flächen. - © Birdlife Österreich

Während die Felder immer größer geworden sind, sind Büsche, Haine und Brachflächen - die bevorzugten Lebensräume dieser Tiere - zunehmend verloren gegangen. Die Wiesenflächen werden heute wesentlich häufiger gemäht. All diese Eingriffe entziehen den Tieren die Nahrung. Zudem gehen Brutplätze verloren oder sie werden regelrecht zerstört. Wo durch Störungen des Lebensraums der notwendige Bruterfolg über Jahre hinweg fehlt, erlöschen die Populationen.

Auch die Abnahme der Artenvielfalt im Bereich der Landwirtschaft fördert diese unerfreuliche Entwicklung. "Wo es früher zum Beispiel auf einem Feld verschiedene Kulturen gab, besteht jetzt nur mehr ein Maisfeld", betont Wichmann.

Sogar im Hinterhof

Die Blauracke oder Mandelkrähe besticht durch ihr farbenprächtiges Federkleid. Sie beheimatet lichte Wälder. - © NHM Wien/Michael Tiefenbach
Die Blauracke oder Mandelkrähe besticht durch ihr farbenprächtiges Federkleid. Sie beheimatet lichte Wälder. - © NHM Wien/Michael Tiefenbach

"Wir hatten einen weiteren Rückgang von bedrohten Arten erwartet. Doch erstmals zeigen die Ergebnisse der Studie einen um sich greifenden Verlust auch von verbreiteten Vögeln über alle Lebensräume hinweg - sogar im Hinterhof", betont Studienautor Ken Rosenberg vom Cornell Lab of Ornithology and American Bird Conservancy in Ithaca in der "Science"-Publikation. Dem Forscher zufolge hat Nordamerika nahezu drei Milliarden Vögel verloren. Davon gehören 90 Prozent lediglich zehn Arten an - darunter Spatzen, Finken, Drosseln und Grasmücken.