Katzen wird nachgesagt, eigenbrötlerisch, distanziert und unabhängig zu sein. Sich an den Menschen zu binden, davon scheinen sie nur wenig zu halten. Im Gegensatz zu Hunden ließen sie sich von ihrem Halter auch nicht erziehen. Denn eine Katze forme ihren Gastgeber nach eigenem Belieben - heißt es. Eine US-Studie zeigt nun allerdings, dass die Samtpfoten sehr wohl vom vertrauten Bezug zum Menschen angetan sind. In seiner Nähe fühlen sie sich sicher. Und nicht nur das: Sie binden sich auf ähnliche Weise an ihre menschlichen Bezugspersonen wie kleine Kinder an ihre Eltern, so Forscher im Fachblatt "Current Biology". Ihre sozio-kognitiven Fähigkeiten und die Tiefe dieser Bindung wurden demnach bisher unterschätzt.

In einem Versuch, der in seinem Aufbau den klassischen Studien zur Eltern-Kind-Bindung nachempfunden ist, zeigten Forscher um Kristyn Vitale von der Oregon State University in Corvallis anhand von 79 jungen Katzen die Situation auf. Die Besitzer mussten ihre Vierbeiner jeweils in einen durch Kameras überwachten Raum mitnehmen, in dem sie zunächst zwei Minuten mit dem Tier zusammen waren, dann aber allein hinausgingen. Die Katze blieb zwei Minuten lang allein im Raum, bevor der Besitzer wieder zurückkehrte.

Die Forscher stellten bei den Tieren vier klar unterscheidbare und schon von anderen Arten bekannte Bindungsstile fest. So ließ etwa bei vielen Katzen der Stress durch die Rückkehr der vertrauten Person sofort nach. Sie hatten nach der Trennung auch ihre Nähe gesucht und weiter den Raum erkundet. Die wird als "sichere Bindung" bezeichnet.

Hält bis ins hohe Alter

Andere Katzen waren nach der Rückkehr ihres Halters weiterhin ängstlich und verhielten sich besonders klammernd - die sogenannte "unsicher-ambivalente Bindung". Wieder andere begegneten ihren Besitzern mit ein wenig Verachtung ("unsicher-vermeidende Bindung"). Bei einer vierten Gruppe schienen die Gefühle im Widerstreit zwischen dem Wunsch nach Nähe und nach Vermeidung zu sein ("desorganisierte Bindung").

"Die Mehrheit der Katzen ist an ihren Besitzer stark gebunden und nützt ihn in einer neuen Umgebung als Quelle der Sicherheit", betont die Katzenforscherin. 64,3 Prozent der jungen Katzen waren in der Studie sicher, 35,7 Prozent unsicher gebunden. Im übrigen sind auch bei menschlichen Kindern Untersuchungen zufolge 65 Prozent sicher gebunden. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die beobachtete Beziehung zwischen Katze und Mensch auch im Erwachsenenalter der Samtpfoten anhält, schreiben die Forscher in der Publikation.

Sie wollen nun die Bedeutung ihrer Arbeit für jene tausende Individuen herausfinden, die in Tierheimen großgezogen werden. "Wir sehen uns aktuell verschiedene Aspekte des Beziehungsverhaltens von Katzen an. Dabei stellen wir uns auch die Frage, ob es Möglichkeiten der Sozialisierung und Pflege gibt, die auch Tieren in Asyl entsprechend zugutekommen", erklärt Vitale. Samtpfoten begleiten die Wissenschafterin schon seit ihrer Kindheit. Die Beziehung zum Menschen ist Fokus ihrer Arbeit. (gral)