In den Alpen sei das Errichten von Zäunen aufgrund der Bodenbeschaffenheit und der Topografie technisch oft nicht möglich und das Hüten der Weidetiere mit Hunden in den Bergen zu mühsam, so der Wildtierbiologe. Die Almwirtschaft sei schon jetzt mehr oder weniger Liebhaberei. Die Förderungen seien gerade einmal kostendeckend. Die ökologische Lebensraumtragfähigkeit in Österreich betrage je nach Modellierung und Gewichtung der darin berücksichtigten Variablen von mehreren Hundert bis deutlich über 1.000 Wölfe. Österreich biete großflächig attraktive Lebensräume und es sei anzunehmen, dass sich in naher Zukunft weitere Rudel auch in Westösterreich etablieren könnten.

Der Wolf wird kritisch gesehen

Für das neue Gutachten wurden nach Angaben der Salzburger Landeskorrespondenz 1.000 Personen zu ihrem Freizeitverhalten und 30 Almbauern befragt. Alle Befragten sehen eine permanente Anwesenheit des Wolfes kritisch, hieß es. Eine hohe Zustimmung gebe es dafür, dass der Wolfs-Bestand regelmäßig von Fachleuten geprüft und bei Problemen jeweils der Ort und die Anzahl der Wölfe für den Abschuss festgelegt wird. Herdenschutzmaßnahmen wurden von einer Mehrheit als unrealistisch abgelehnt. Die Almwirtschaft wegen der Rückkehr des Wolfes aufzugeben, spiele für die Landwirte derzeit eine geringe Rolle. Das könne sich aber in Zukunft ändern, wenn ein bedeutender wirtschaftlicher Schaden daraus entstünde.

"Wenn die Schäden durch die Wolfsangriffe überhandnehmen, ist eine Zonierung notwendig, damit einzelne Problemtiere entnommen werden können", forderte der Salzburger Silvester Gfrerer, Obmann des Alm- und Bergbauernvereins. Da aus technischen Gründen in vielen Almregionen kein sinnvoller Schutz möglich sei, sei die Bewirtschaftung in Gebieten mit regelmäßiger Wolfspräsenz künftig in Gefahr. Dazu Landesrat Schwaiger: "Die traditionelle alpenländische Landwirtschaft muss auch künftig ohne aufwendige Begleitmaßnahmen möglich sein." Dafür seien die Gesetze der EU derzeit ungeeignet. "Wir müssen uns um eine Änderung des Schutzstatus des Wolfs bemühen. Wenn sich diese in großer Zahl bei uns ansiedeln, wird sich das Gesicht unseres ganzen Landes ändern."

WWF kritisiert Land Salzburg

Die Naturschutzorganisation WWF Österreich hat das Wolfs-Management des Landes Salzburg als "völlig untauglich" kritisiert. "Der Wolf ist eine europarechtlich streng geschützte Art. Daher muss die Landespolitik endlich eine praxistaugliche Herdenschutz-Offensive starten anstatt ständig nur Abschussfantasien zu wälzen, die dem EU-Recht widersprechen", erklärte WWF-Experte Christian Pichler.

Diese Linie würde auch die aktuelle Studie der Universität für Bodenkultur (BOKU) im Auftrag der Bundesländer bestätigen. "Zur Vermeidung der Konflikte mit Nutztierhaltern kann aufgrund des aktuellen Schutzstatus der Wölfe nur die Forcierung der Herdenschutzmaßnahmen beitragen", zitierte der WWF am Mittwoch in einer Aussendung aus der Studie.