Houston, Tranquillity Base here. The Eagle has landed. - Mit diesen Worten verkündete der US-Astronaut Neil Armstrong am 20. Juli 1969 die erfolgreiche Landung der Apollo 11 auf dem Erdtrabanten. Noch nie war der Mond der Menschheit so nahe - und umgekehrt. Oder doch? Denn in den Köpfen vieler Menschen ist er wohl seit Jahrhunderten in vielerlei Hinsicht omnipräsent. Ihm wird ein großer Einfluss auf viele biologische Vorgänge nachgesagt. Zudem ranken sich unzählige Mythen um einzelne Mondphasen. Und dabei ist es wohl der Vollmond, der ganz besonders in Verruf geraten ist. So ist von erhöhten Suizidraten, mehr Unfällen, schlaflosen Nächten, erhitzten Gemütern oder schief hängenden Haussegen die Rede. Also höchste Zeit, diesen beeindruckenden Himmelskörper wieder ins rechte Licht zu rücken. Immerhin steht der nächste Vollmond unmittelbar vor der Tür.

Doch vorerst zum Steckbrief - Alter: 4,4 Milliarden Jahre. Durchmesser: 3476 Kilometer - und damit ein Viertel der Erde. Bestandteile der Exosphäre: Helium, Neon, Wasserstoff, Argon. Temperatur: plus 130 Grad bis minus 160 Grad Celsius. Masse: 7,349 mal 1022 kg - und damit ein 80stel der Erdmasse. Dauer des Mondphasenzyklus: 29,5 Tage.

"Für die Erde selbst hat der Mond eine große Bedeutung", erklärt der österreichische Astrophysiker Arnold Hanslmeier vom Institut für Physik der Karl-Franzens-Universität Graz im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". So stabilisiert er etwa ihre Rotationsachse, wodurch die Neigung unseres Heimatplaneten bei ungefähr 23,5 Grad erhalten bleibt. Wäre die Sonne die einzige Ursache für Präzession, würde sich die Neigung der Erdachse innerhalb von Millionen Jahren in weiten Bereichen ändern. Das hätte ungünstige Umweltbedingungen für das Leben auf dem Blauen Planeten zur Folge. Es würde zu sehr starken Wetter- beziehungsweise klimatischen Veränderungen kommen, beschreibt der Experte.

Die Geburtsstunde

Für solche Einflüsse kennen die Astrophysiker und Astronomen ein praktisches Beispiel im Sonnensystem - nämlich unseren Nachbarplaneten, den Mars. Zwar besitzt er gleich zwei Monde - Phobos und Deimos -, doch sind diese mit 22 und 12 Kilometern winzig klein. Aufgrund der dadurch fehlenden Einwirkung auf ihren Heimatplaneten schwankt die Rotationsachse des Mars sehr stark. Aus diesem Grund ist es auf dem Roten Planeten in der Vergangenheit zu starken klimatischen Veränderungen gekommen. So zeugen etwa ausgetrocknete Flusstäler von Wasser in flüssiger Form, wie es vor einigen hundert Jahren noch vorhanden gewesen sein dürfte.