Boulder/Wien. Schon Charles Darwin war von Regenwürmern beeindruckt. Diese Faszination für die sich schlängelnden Erdbewohner ist auch 140 Jahre später noch vorhanden. Und seit man über ihre Bedeutung im Erdreich Bescheid weiß, umso mehr. Ein Forscherteam hat nun eine Weltkarte erstellt, die ihren Lebensraum aufzeigt. Die größte Vielfalt zeigt sich demnach in gemäßigten Zonen wie Europa, Teilen der USA oder Australien. Die Wissenschafter sind über diese Tatsache überrascht, denn die größte Diversität von Organismen, die über der Erde leben, findet man im Gegensatz dazu in den Tropen.

Regenwürmer leisten ganze Arbeit in ihrem Lebensbereich. Als Ökosystem-Ingenieure lockern sie das Erdreich auf, erhöhen die Durchlässigkeit von Wasser, reduzieren den Erdabtrag in Hanglagen und fördern die Belüftung unter Tage. Weil sie das 30-fache ihres Körpergewichts an humusreicher Erde und vermodertem Pflanzenmaterial verschlingen, beschleunigen sie zudem die organische Zersetzung im Boden.

Die Ökosystem-Ingenieure

Insgesamt 141 Forscher weltweit haben zum Zustandekommen der Karte beigetragen. Sie haben rund 7000 Proben aus 57 Ländern analysiert. Während oberirdisch die meisten Organismen - sowohl Tiere als auch Pflanzen - in den Tropen zu finden sind, kommt es unterirdisch zu einer Ausnahmeerscheinung. Die meisten Regenwurmarten leben in den gemäßigten Breiten, berichten die Forscher in "Science". Diese Regionen waren von den Würmern zudem dichter besiedelt und wiesen demnach auch mehr Biomasse auf. Ihre Verteilung und ihr Auftreten hängt stark von Temperatur und Niederschlag ab. Der Klimawandel könnte sich auch für sie negativ auswirken und damit auch auf das Ökosystem Erdreich.

Dass beim Zerteilen aus einem Tier zwei werden, ist übrigens eine Mär. Nur der Teil mit dem Kopf lebt weiter, sofern genug Körpersegmente vorhanden sind. Ihr Hinterende können sie fast vollständig wieder ausbilden. Aufgrund von Wundinfektionen überleben in freier Natur aber nur wenige durchtrennte Würmer.