Moskau. Die sibirischen Vogelkundler Igor Karjakin und Jelena Schnaider haben ihren Augen nicht getraut, als die Mobilfunkrechnungen für Auslandsflüge ihrer Adler kamen. Sie hatten bedrohte Steppenadler mit Sendern samt SIM-Karten ausgestattet, um ihren Lebensweg verfolgen zu können. Die an dem Adler-Männchen Min und dem Weibchen Schanna angebrachten Tracker setzen aus vielen Ländern teure SMS-Nachrichten ab.

"Das Problem aber zum Beispiel bei Min war, dass es wochenlang gar keine Nachricht gab, dann kamen aus dem Iran viele SMS auf einmal", sagt Karjakin. Als Min im Iran wieder Mobilfunknetz hatte, setzte sein Sender auf einem Schlag auch SMS ab, die während seines Aufenthalts im zentralasiatischen Steppenstaat Kasachstan hängengeblieben waren. Über Wochen hatten Karjakin und Schnaider keine Nachricht von Min. Als das Lebenszeichen kam, freuten sie sich. Aber dann kam der Ärger.

Steppenadler Min sei nach dem Schlüpfen in Sibirien zum Überwintern nach Pakistan und Indien geflogen, habe dann den Sommer in Kasachstan verbracht, erzählt Karjakin. Im Oktober sei er im Iran wieder im Funknetz gewesen. Hunderte SMS seien dann eingetrudelt mit den Koordinaten des ganzen Sommers – für 49 Rubel (rund 70 Cent) je Nachricht; die Kosten pro Tag: rund 100 Euro. Unter den insgesamt 13 Raubvögeln mit Sendern waren das die höchsten Roaming-Gebühren. Zeitweilig, sagt Schnaider, die das Adler-Weibchen Schanna mit einem Sender ausstattete, sei ihr kleines Forschungsbudget fast ausgeschöpft gewesen.

Über einen Aufruf in sozialen Netzwerken kamen dann aber schnell 300.000 Rubel (4.245,68 Euro) zusammen. Das Projekt ist gerettet. Zudem habe der Mobilfunkanbieter die Roaming-Gebühren für Adler Min erlassen und auch für andere Adler deutlich auf die Selbstkosten gesenkt, wie beide Ornithologen der Deutschen Presse-Agentur mitteilen. (apa/dpa)