Wien. Menschliche Eingriffe in die Natur haben weltweit eine Millionen Jahre alte Kooperation von Pflanzen und Pilzen dezimiert, die für effiziente Kohlenstoff-Speicherung im Boden sorgt, so ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung. Naturnahe Ökosysteme mit starken Pflanzen-Pilz Teams wiederherzustellen, könnte den Klimawandel bremsen, so die Forscher im Fachblatt "Nature Communications".

Viele Pflanzen gehen mit Pilzen eine besondere Form des Zusammenlebens (Symbiose) ein, bei dem die feinen unterirdischen Pilzfäden in die Wurzelrinde eindringen (Ektomykorrhiza). Dadurch können die Pilze die Pflanzen mit wichtigen Nährstoffen aus dem Boden versorgen und bekommen dafür Kohlenstoff, den jene aus der Atmosphäre aufgenommen haben. "Diese Beziehung steigert das Potenzial der Vegetation, CO2 aus der Atmosphäre aufzunehmen und im Boden zu speichern", so die Forscher um Nadejda Soudzilovskaia von der Uni Leiden (Niederlande).

Veränderte Ökosysteme

"Menschliche Aktivitäten wie landwirtschaftliche Praktiken haben aber 50 bis 75 Prozent der Ökosysteme auf der Erde verändert, dadurch wurden natürliche Gebiete mit starken Pflanzen-Pilz-Teams zu solchen mit viel schwächeren Gemeinschaften", so Ian McCallum vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg. Obwohl die Ökosysteme mit Pflanzen-Pilz-Symbiosen schon starke Verluste hinnehmen mussten, speichern sie weltweit immer noch 350 Gigatonnen im Boden, während jene ohne "Ektomykorrhiza" nur 29 Gigatonnen unter sich beherbergen. Demnach könne man das Kohlendioxid in der Atmosphäre reduzieren, indem man naturnahe Vegetation mit vielen solchen Symbiosen wiederherstellt. Dies wäre vor allem im Ödland und bei aufgelassenen landwirtschaftlichen Flächen möglich.