Wien. Als die ersten Schneehasen auf den Färöer Inseln ausgesetzt wurden, trugen alle weißes Winterfell. Innerhalb von 60 Jahren auf der schneearmen Inselgruppe ergrauten sie jedoch. Die genetische Anlage für ein dunkleres Winterfell holten sich ihre Vorfahren vor tausenden Jahren bei einer Affäre mit iberischen Verwandten, beschreibt ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachblatt "Pnas".

Das Team um Jose Melo-Ferreira von der Universität Porto (Portugal) verglich das Erbgut von Schneehasen aus Skandinavien, den Alpen und von den Färöer Inseln. Sie wollten wissen, welches Gen das Fell der Tiere auf den Färöern grau macht, während es bei ihren Artgenossen im österreichischen Gebirge und auf dem Festland Nordeuropas zur Winterzeit in der Regel schneeweiß wird.

Spezielle Genvariante

So fanden sie heraus, dass die Steuerungsregion vor dem sogenannten Agouti-Gen bei den Färöer-Hasen anders ist als bei den anderen. Es ist bekannt, dass es bei verschiedenen Säugetieren die Verteilung schwarzer Pigmente regelt. Fündig wurden die Forscher aber bei den iberischen Verwandten. Auch sie tragen diese Agouti-Variante. Die Färöer-Hasen dürften sich diese von den Iberern durch Hybridisierung eingehandelt haben. Obwohl die beiden Arten aus geografischen Gründen derzeit keinen Kontakt pflegen können, war der genetische Austausch während nach-eiszeitlichem Kontakt in Südeuropa möglich, so die Forscher. Sprich: Bei einem Ausflug der nördlichen Art in südliche Gefilde gab es eine Affäre zwischen den beiden.

Ähnliches passierte bei den Schneeschuhhasen. Bei ihnen gibt es seit noch nicht allzu langer Zeit winterbraune statt winterweiße Typen. Auch dort ist eine andere Agouti-Variante für diese Anpassung an winterbraune statt winterweiße Landschaften zuständig, heißt es in der Studie.