Das ozonabbauende Lachgas gerät immer mehr in die Atmosphäre. Die globalen Emissionen steigen seit zwei Jahrzehnten an, berichten Forscher des Internationalen Institus für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg im Fachblatt "Nature Climate Change". Speziell in den vergangenen zehn Jahren hat der Ausstoß des besonders effektiven Treibhausgases Distickstoffmonoxid schneller zugenommen als vom Weltklimarat IPCC geschätzt.

Lachgas (N2O) ist nach Kohlendioxid (CO2) und Methan das drittwichtigste langlebige Treibhausgas. Zudem gilt es als eine der wichtigsten ozonabbauenden Substanzen in der Stratosphäre.

Die IIASA-Forscher haben gemeinsam mit Kollegen vom Norwegischen Institute for Air Research (NILU) die N2O-Emissionen in die Atmosphäre basierend auf Daten eines weltumspannenden Messnetzes für Treibhausgase für den Zeitraum 1998 bis 2016 abgeschätzt. Demnach wird speziell aus Ostasien und Südamerika mehr Lachgas in die Atmosphäre eingetragen, während die Emissionen in den USA und Europa weitgehend stabil seien.

Stickstoffdüngemittel sind die Ursache

Der Anstieg stehe eng im Zusammenhang mit der zunehmenden Freisetzung von Stickstoff in die Umwelt, betonten die Forscher. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts habe die Produktion von Stickstoffdüngemittel, der Anbau von Stickstoff-fixierenden Pflanzen wie Klee, Sojabohnen, Luzerne, Lupinen und Erdnüsse sowie die Verbrennung von fossilen und Biokraftstoffen die Verfügbarkeit von Stickstoff in der Umwelt enorm erhöht. "Während die erhöhte Stickstoffverfügbarkeit es ermöglicht hat, viel mehr Lebensmittel zu produzieren, sind die damit verbundenen Umweltprobleme wie die steigenden N2O-Emissionen die Kehrseite der Medaille", erklärte Studienleiterin Rona Thompson vom NILU in einer Aussendung.

Der Studie zufolge ist der Anteil an Stickstoff, der von der insgesamt ausgebrachten Menge wieder in die Atmosphäre entweicht, mit 2,3 Prozent deutlich größer, als in den Berichten des Weltklimarats IPCC angegeben (1,4 Prozent). Ko-Autor Wilfried Winiwarter vom IIASA plädiert daher dafür, die Modelle den neuen Ergebnissen entsprechend anzupassen und warnt davor, dass zukünftige Erhöhungen des Düngemitteleinsatzes viel größere zusätzliche Emissionen auslösen können als bisher angenommen. Die Forscher plädieren zudem dafür, den Einsatz von Stickstoffdüngemittel in Regionen mit bereits hohem Stickstoffüberschüssen zu reduzieren. Vor allem in Ostasien könnte Stickstoffdünger effizienter eingesetzt werden ohne die Ernteerträge zu beeinträchtigen. (apa)