Magma brennt sich durch den Meeresgrund

Während Indien weiter Richtung Asien trieb, bis es vor 40 Millionen Jahren mit diesem Kontinent zusammenprallte, blieb der Hotspot dort, wo er entstanden war. Über ihn schwappte jetzt der Indische Ozean. Das heiße Magma brannte sich seinen Weg durch das Gestein unter dem Meeresgrund und die Vulkane brachen unter Wasser aus. Dort türmte sich die Lava so lange auf, bis eine Insel aus dem Meer auftauchte. "Auf einer solchen Hotspot-Vulkaninsel könnte eine Landschildkröte angeschwemmt worden sein", erklärt Senckenberg-Forscher Uwe Fritz.

Die Panzerträger sind ziemlich hart im Nehmen und können lange ohne zu fressen oder zu trinken auskommen. Das beweist eine Aldabra-Riesenschildkröte, die am 14. Dezember 2004 an der Küste Tansanias an Land stapfte. An Beinen und Panzer hatten sich Seepocken angesiedelt. "Das abgemagerte, aber anscheinend gesunde Tier muss einige Monate im Indischen Ozean getrieben sein", sagt Fritz.

Vermutlich war die Riesenschildkröte also vom Aldabra-Atoll mit der Meeresströmung 740 Kilometer weit ohne Nahrung und Süßwasser bis an die afrikanische Küste geschwemmt worden. Damit hatte das Tier die umgekehrte Richtung wie die Urahnen der Maskarenen-Schildkröten eingeschlagen. Nach den Erbgut-Analysen von Senckenberg-Forscher Kehlmaier sollte diese Gattung nämlich aus Afrika stammen.

Sollten die Meeresströmungen vor 40 Millionen Jahren anders als heute verlaufen sein, könnten sie damals ein Weibchen auf die Hotspot-Vulkan-Insel im Indischen Ozean geschwemmt haben. Das reicht bereits, um eine neue Population zu gründen. "Schildkröten-Weibchen speichern häufig die Samen mehrerer Männchen und befruchten ihre Eier lange nach der Paarung", berichtet Fritz. Später schlüpfen etliche Mini-Schildkröten aus den Eiern, die zwar die selbe Mutter, aber verschiedene Väter haben und so auch eine gewisse Vielfalt auf die Insel bringen.

Säugetiere sind weniger hart im Nehmen

Damit wird auch klar, weshalb auf vielen Inseln in den Weltmeeren zwar Riesenschildkröten, aber keine Säugetiere auf vier Beinen lebten, die weniger hart im Nehmen sind. Allerdings existieren Hotspot-Vulkan-Inseln nur für einige Jahrmillionen. Danach hat sich die Ozean-Platte, auf der sie am Meeresgrund sitzen, um einige 100 Kilometer weiter bewegt und die Inseln mitgetragen. Die Verbindung mit dem ortsfesten Hotspot reißt ab und das Magma brennt sich an anderer Stelle durch den Meeresgrund.

Während dort ein neuer Vulkan entsteht, nagen die Wellen und Tropenstürme an der alten Insel und lassen diese langsam schrumpfen, bis nur noch ein Korallen-Atoll über die Wellen ragt, das irgendwann im Meer verschwindet. Aber vorher stürzt vermutlich ein Schildkröten-Weibchen mit den Samen mehrerer Männchen bei einem Wirbelsturm ins Meer und stapft am Ufer einer der jüngeren Vulkan-Inseln wieder an Land.