Weihnacht im Schnee/ weiße Tannen rings um den See/Glockenklang vom Dorf in der Näh’/Weihnacht im Schnee." So besingt Freddy Quinn mit öligem Bariton das Fest der Liebe auf einer nostalgischen Schallplatte aus dem Jahr 1965, die paradoxerweise "Weihnachten auf hoher See" heißt. Weiße Weihnachten gab es damals eigentlich immer, doch heute gibt es sie nie. Liegt das am Klimawandel, oder zuckert die Erinnerung die Kindheit an? Oder hat man diese einfach am Land verbracht und lebt heute, berufstätig, in der Stadt, wo der Schnee nicht liegen bleibt?

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien antwortet mit handfesten Zahlen: Im Zeitraum von 1951 bis 1980 gab es in den Landeshauptstädten noch doppelt so oft einen 24. Dezember mit einer geschlossenen Schneedecke wie von 1983 bis heute. In tiefen Lagen haben sich die Chancen auf weiße Weihnachten also de facto halbiert.

Prognosezeitraum zehn Tage

"Weiße Weihnachten kommen hierzulande im Tal nicht allzu oft vor und in den letzten drei Jahrzehnten wurden sie noch seltener", fasst der Klimatologe Alexander Orlik die statistische Auswertung zusammen. Also singt Freddy Quinn die Wahrheit. In den 1960er Jahren waren die Winter schneereicher und kälter als in den Siebzigern, Achtzigern und seither. In den vergangenen 30 Jahren gab es in Wien, Eisenstadt, St. Pölten und Linz nur jedes fünfte Jahr am 24. Dezember eine geschlossene Schneedecke. Schuld ist zum einen der Klimawandel, der uns laut ZAMG ein halbes Grad mehr beschert, und sind, zum anderen, statistische Schwankungen. Die niederschlagsreichen Winter der 1960er Jahre seien "etwas zu intensiv und nicht der Normalfall" gewesen. "In den 1980er Jahren pendelte sich das wieder ein. Der Dezember ist an sich der erste wirkliche Wintermonat. Die Böden, der Atlantik und das Mittelmeer sind noch warm. Die tiefsten Temperaturen treten nicht in den nächsten drei Wochen, sondern von Mitte Jänner bis Mitte Februar auf", sagt Orlik. Und heuer? "Der Prognosezeitraum beginnt seriöserweise zehn Tage im Voraus. Somit wissen wir frühestens in zehn Tagen, ob zum Weihnachtsfest Schnee liegt", erläutert Stefan Kiesenhofer vom Wettervorhersagedienst der ZAMG.

Das Wetter ist ein chaotisches System. Schon kleine Abweichungen in der Ausgangslage können, wie der sprichwörtliche Schmetterlingsflügelschlag, der am anderen Ende der Welt einen Hurrican auslöst, zu einem völlig anderen Ergebnis führen als berechnet.