Endlich ist es soweit: Das Tierbeobachtungsprojekt Icarus (International Cooperation for Animal Research Using Space) befindet sich in den Startlöchern. Freitag Vormittag wurde das System vom Weltraumbahnhof Baikonur auf den Weg zur Internationalen Raumstation ISS geschickt. Die Sender waren schon im Februar montiert worden. Wegen technischer Probleme musste der Computer allerdings wieder auf die Erde zurück. Daher war der Start des deutsch-russischen Vorhabens im Sommer verschoben worden. Künftig sollen damit Tierbewegungen vom All aus erfasst werden.

Milliarden von Tieren ziehen jährlich in freier Wildbahn um den Erdball. Ob in der Luft, an Land oder im Wasser - sie reisen auf bekannten Routen, aber auch in die entlegensten Winkel unseres Planeten. Über die meisten Wildtiere weiß man noch sehr wenig. Das soll sich nun ändern. Künftig können Aufenthaltsorte, Lebensbedingungen und Verhaltensweisen via kleiner Elektronikeinheiten festgemacht werden. Forscher haben dazu Tiere mit Mini-Sendern ausgestattet, die ihre Messdaten - etwa zum Lebensumfeld und zur Gesundheit - an eine Antenne auf der ISS schicken. Von dort sollen die Daten an eine Bodenstation an die Forscherteams übermittelt werden. Die Resultate sollen in der für jeden frei zugänglichen Datenbank "Movebank" veröffentlicht werden. In den nächsten Jahren solle im Zuge des Projekts mehrere Zehntausende Tiere bestückt werden.

Der Vogel trägt einen Vorläufer des Icarus-Senders. Mittlerweile sind sie weiter miniaturisiert. - © DLR/MPIO Outreach Center/MaxCine
Der Vogel trägt einen Vorläufer des Icarus-Senders. Mittlerweile sind sie weiter miniaturisiert. - © DLR/MPIO Outreach Center/MaxCine

Nach Darstellung des Forschers Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz ist das deutlich ergiebiger und billiger, als die Tiere wie bisher zum Beispiel mit Mobilfunkgeräten und SIM-Karten auszustatten.

Zweieinhalb Tonnen Fracht

- © DLR/MPIO/ICARUS
© DLR/MPIO/ICARUS

Eigentlich hätte der Computer auf der ISS in rund 400 Kilometern über der Erde schon im Juli funktionieren sollen. Wegen Problemen mit einem Kondensat musste das Gerät allerdings wieder auf die Erde zurück. Das Bauteil wurde ausgewechselt.

An Icarus sind unter anderem Roskosmos und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt. Nach Abschluss einer Testphase soll das System voraussichtlich im kommenden Jahr den Wissenschaftern voll zur Verfügung stehen.

Die Sojus-Rakete startet vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur. - © NasaTV
Die Sojus-Rakete startet vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur. - © NasaTV

Die unbemannte Raumfähre Progress ist mit zweieinhalb Tonnen Fracht beladen. Darunter befindet sich nicht nur der für Tierbeobachtungen nötige Computer, sondern Kraftstoff, Sauerstoff und technisches Material sowie Weihnachtspakete und Nahrung für die Crew an Bord. Auch ein neues Laufband für die Jogging-Maschine ist Teil der Fracht, damit sich die Raumfahrer fit halten können. Am Montag soll Progress auf der ISS ankommen.