Pflanzen machen weltweit 80 Prozent der Nahrung aus und produzieren 98 Prozent des Sauerstoffs, den der Mensch atmet. Doch 40 Prozent der Nahrungspflanzen gehen Schätzungen zufolge jedes Jahr durch Schädlinge und Krankheiten verloren. Um das Bewusstsein für diese Tatsache zu schaffen, haben die Vereinten Nationen das Jahr 2020 zum Internationalen Jahr der Pflanzengesundheit erklärt. Ziel ist es, die Einschleppung invasiver Arten zu reduzieren, um unter anderem Hunger und Armut zu verringern und die Umwelt zu bewahren, heißt es.

Die von der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO geschätzten Verluste bei Nahrungspflanzen führen dazu, dass Millionen von Menschen nicht genug zu essen haben und mit der Landwirtschaft eine der Haupteinnahmequellen für arme ländliche Gemeinden ernsthaft geschädigt wird, heißt es auf der Homepage zum Internationalen Pflanzenschutzübereinkommen (IPPC) zum Internationalen Jahr der Pflanzengesundheit (IYPH).

"In der öffentlichen Wahrnehmung wird Pflanzenschutz vor allem auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert", erklärte Robert Steffek vom Amtlichen Pflanzenschutzdienst der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). "Das Internationale Jahr der Pflanzengesundheit soll bewusst machen, welche Risiken durch den globalen Handel bestehen, welche Schädlinge eingeschleppt werden und wie wir uns davor schützen können", sagte er zur APA.

Der Feuerbrand gefährdet die Birnenernte. - © APAweb / Ages/Ulrike Persen
Der Feuerbrand gefährdet die Birnenernte. - © APAweb / Ages/Ulrike Persen

Insekten, Viren, Bakterien, Pilze

Als Schädlinge werden im Rahmen des IYPH alle Arten und Stämme von Pflanzen, Tieren oder Krankheitserregern definiert, die Pflanzen oder Pflanzenerzeugnisse schädigen. Dazu gehören Insekten, Viren, Bakterien, Pilze, Fadenwürmer und invasive Pflanzen. Sie können schwere Einbußen bei der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Produktion verursachen oder die vielfältige Funktion von Wäldern erheblich gefährden.

Die Amerikanische Rebzikade ernährt sich vom Pflanzensaft der Weinrebe. - © APAweb / Ages/Andreas Kahrer
Die Amerikanische Rebzikade ernährt sich vom Pflanzensaft der Weinrebe.
- © APAweb / Ages/Andreas Kahrer

Mit der Initiative will man sich vor allem darauf konzentrieren, "die Ausbreitung von Pflanzenschädlingen und -krankheiten zu verhindern". Das Risiko dafür nehme aufgrund des internationalen Handels und Reiseverkehrs exponentiell zu. Dazu setzt der Klimawandel der Pflanzengesundheit zu.

Die Erderwärmung droht, sowohl die Qualität als auch die Quantität der Ernten zu verringern. Steigende Temperaturen verschärfen auch die Wasserknappheit und verändern das Verhältnis zwischen Schädlingen, Pflanzen und Krankheitserregern. Im Zuge des Klimawandels würden immer mehr Pflanzenschädlinge früher und an Orten auftreten, an denen sie noch nie zuvor gesehen wurden.

Der Maiswurzelbohrer hatte in den 1990er Jahren seinen Weg von den USA nach Europa angetreten. - © APAweb / Ages/Peter Cate
Der Maiswurzelbohrer hatte in den 1990er Jahren seinen Weg von den USA nach Europa angetreten. - © APAweb / Ages/Peter Cate

Der Einzelne kann viel beitragen

Aber auch jeder Einzelne kann zur Pflanzengesundheit beitragen: Die Experten empfehlen, bei Reisen keine Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse mitzunehmen, da dies ebenfalls zu einer Einschleppung von nicht heimischen Schädlingen und Krankheiten führen kann. Pflanzen sollten auch nicht online bestellt werden, da Pakete die regelmäßigen Pflanzenschutzkontrollen leicht umgehen können.

Landwirten wird auf der IYPH-Homepage empfohlen, bei der Bekämpfung von Schädlingen umweltfreundliche Methoden anzuwenden. Zudem sollte die Politik den Einsatz umweltfreundlicher Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung fördern und Strategien zur Verhütung, Überwachung und Meldung von Schädlingsausbrüchen entwickeln.

Einen Schritt dazu hat die EU mit neuen sogenannten phytosanitären Bestimmungen zum Schutz vor Pflanzenschädlingen gesetzt. Eine entsprechende Verordnung, mit der die Einschleppung und Verbreitung von besonders gefährlichen Schädlingen in die EU vermieden werden soll, tritt mit 14. Dezember in Kraft. (apa)