Beim zweiten Anlauf hat es nun geklappt: Mit einem Tag Verspätung ist das europäische Weltraumteleskop "Cheops" mit einer von Arianespace betriebenen Sojus-Fregat-Rakete ins All aufgebrochen. Um 9.45 Uhr Mitteleuropäische Zeit war der Start erfolgt. Dienstagmorgen hatte das Vorhaben aufgrund eines Softwareproblems abgesagt werden müssen. Im Laufe des Tages hatten russische Techniker von Roskosmos für die Reparatur gesorgt. Der erfolgreiche Start wurde vielerorts mit Jubel und großer Erleichterung aufgenommen.

Die Sojus Fregat-Rakate hob am Mittwoch kurz nach 9.50 Uhr vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana ab. In der rund 46,2 Meter hohen und mehr als 300 Tonnen schweren Trägerrakete befanden sich insgesamt fünf Satelliten. Laut Plan sollte OPS-SAT an dritter Startposition um 14.05 Uhr freigesetzt werden. Das ESA-Weltraumteleskop CHEOPS ist bereits kurz nach Mittag dran.

Ob alles funktioniert hat, wird sich am frühen Abend zeigen. Die ersten Signale des OPS-SAT könnten gegen 17.Uhr eintreffen, realistischer sei aber der Funkkontakt nach einer weiteren Umrundung gegen 18.30 Uhr, wie Koudelka darlegte. "Dann wird in den nächsten Tagen gründlich geschaut, ob auch alle Subsysteme funktionieren", erklärte der technische Missions-Leiter. Auf die Kommissionierungsphase können dann in wenigen Wochen die ersten Experimente folgen.

 Herzstück des kompakten OPS-SAT-"Laboratoriums" in der Größe einer 1,5-Liter-Mineralwasserflasche (30 mal 10 mal 10 Zentimeter) ist ein an der TU Graz entwickelter, sehr leistungsfähiger Prozessor. Die Sonde trägt eine Kamera für die Erdbeobachtung, einen Empfänger für optische Datenübertragung und einen programmierbaren Funkempfänger mit sich. Solarpaneele sorgen für die Energieversorgung. Forschungsgruppen haben weit über 100 Experimente bei der ESA eingereicht. Ein Teil davon soll tatsächlich im All umgesetzt werden, berichtete Koudelka. Das Grazer TU-Institut ist selbst auch für zwei Experimente verantwortlich.

Für den Bau von OPS-SAT hat das Infrastrukturministerium (BMVIT) 2,8 Millionen Euro bereitgestellt, für die Beteiligung an der CHEOPS-Mission 5,3 Millionen Euro. CHEOPS ist die erste Weltraummission, die Exoplaneten im Detail erforschen soll. Der Kleinsatellit wurde unter der Leitung der Universität Bern von einem internationalen Konsortium entwickelt und gebaut. Das Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zeichnet für einen der beiden Bordrechner des Kleinsatelliten verantwortlich, der den gesamten wissenschaftlichen Datenverkehr abwickelt und auch die thermische Kontrolle des Teleskops übernimmt. Auch das Institut für Astrophysik der Universität Wien und RUAG Space Austria sind beteiligt. Die FFG Agentur für Luft- und Raumfahrt hat die Entwicklung der Projekte seit 2012 intensiv begleitet. (gral/apa)