Der kurze Film im Internet ist herzzerreißend. Verstört irrt ein Koala auf einer verqualmten Straße herum und tappt mitten ins brennende Unterholz. Sein Schicksal scheint besiegelt zu sein, doch plötzlich wird er von einer menschlichen Nachbarin gerettet. Als Erste Hilfe gibt es ein paar Schluck Wasser gegen den quälenden Durst und zur Abkühlung einige weitere Spritzer ins Fell. Doch die Schreie des verängstigten und offenbar auch verletzten Tieres verraten, dass es damit nicht getan ist.

Die verheerenden Brände an der Ostküste Australiens ziehen auch eine Ikone der dortigen Tierwelt in Mitleidenschaft. Denn die Koalas sind für Brände schlecht gerüstet. Als gemütliche Baumbewohner stehen sie den Flammen weitgehend hilflos gegenüber. Auf flinken Pfoten wegzurennen, ist nicht ihre Sache. Und ihre alte Strategie, sich bei Gefahr in die Kronen zurückzuziehen, hilft in dem Inferno nicht weiter.

Große Waldbrände gab es in ihrer Heimat zwar auch schon früher. Doch die Ereignisse werden häufiger und zerstörerischer. Immer heißere Flammen erreichen selbst die höchsten Wipfel. Und ihre Saison beginnt früher. Nach einer ungewöhnlich langen Dürre wüten die Buschfeuer im Südosten Australiens seit Oktober. Nun herrscht Katastrophenalarm: Tausende Menschen sind auf der Flucht. In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria musste mehr als ein halbes Dutzend Städte evakuiert werden. Und weil noch einmal steigende Temperaturen von bis zu 46 Grad angekündigt sind, droht sich die Lage weiter zu verschlimmern.

Zählung ist schwierig

Die Koalas zahlen nach Einschätzung von Experten einen hohen Preis. In der Region um Lake Innes südlich von Port Macquarie etwa sind nach einem Blitzschlag 3000 Hektar naturnahes Buschland in Flammen aufgegangen. "Dieses Feuer hat zu einigen schrecklichen menschlichen Tragödien geführt", berichtet Bob Sharpham vom Koala Hospital in Port Macquarie: "Außerdem hatte es katastrophale Auswirkungen auf die Tierwelt und besonders auf die Koalas." Immerhin galten zwei Drittel der verbrannten Flächen als Koala-Refugium. "Die dortige Population ist von nationaler Bedeutung", betont Sharpham. Die Mitarbeiter des Hospitals gehen davon aus, dass wohl mindestens 350 Koalas ums Leben gekommen sind. Wie stark der Lebensraum dauerhaft geschädigt ist, bleibt abzuwarten. Die verschiedenen Arten von Eukalyptusbäumen, die den Tieren Nahrung und Unterschlupf bieten, sind zwar an Feuer angepasst und können nach einem Brand wieder ausschlagen. Wie viele davon aber die besonders heißen Flammen überstehen, muss sich weisen.