Zürich. Wenn Menschen eine neue Fähigkeit lernen, müssen Millionen von Verbindungen zwischen Nervenzellen angepasst und gefestigt werden. Ähnlich läuft dies im Tierreich ab. Forscher der Universität und der ETH Zürich haben diesen Prozess bei jungen Zebrafinken untersucht, die das Singen lernen. Und stellen fest, dass die Vögel erstaunlich effizient dabei sind, wie sie im Fachblatt "Nature" berichten. Die Vögel behalten Fortschritte gelungener Versuche im Schlaf, vergessen aber die misslungenen.

Männliche Zebrafinken beginnen im Alter von etwa 40 Tagen, den Gesang ausgewachsener Finken nachzuahmen. Dabei wiederholen sie den Gesang drei Monate lang mehrere tausend Mal am Tag. Die meisten Versuche klingen ähnlich, gelegentlich produzieren sie aber auch besonders gute oder wirklich schlechte Töne. Die Forscher nutzten einen Algorithmus, um die Veränderungen während des Lernprozesses auf einfache Lernkurven zu reduzieren. Dadurch zeigte sich, dass sich guter und schlechter Gesang unterschiedlich verändert.

Analog zum Menschen

Die besten Lieder verbesserten sich während eines Tages langsam aber stetig und veränderten sich über Nacht nicht. Anders jedoch bei den schlechten Liedern. Diese verbesserten sich während des Tages zwar schnell, jedoch vergaßen die Vögel die meisten Fortschritte über Nacht wieder.

Mit ihren Untersuchungen wollen die Forscher ein besseres Verständnis darüber gewinnen, wie Lernen abläuft. Es wird vermutet, dass die Prozesse etwa analog zum Menschen sind. Wenn man besser verstünde, warum es so schwer ist, sich an Verbesserungen weniger gelungener Abläufe zu erinnern, ließen sich effizientere Trainingspläne in der Reha für Schlaganfall- oder Unfallopfer erstellen. Auch wäre denkbar, direkt auf bestimmte Hirnareale zuzugreifen, um den Lernprozess zu stimulieren.