Kopenhagen. Meistens bekommen Menschen Riesenkalmare nur tot zu Gesicht. Lebend beobachtet wurden sie nur selten, und so sind diese Tiere nach wie vor rätselhaft. Die Entschlüsselung des Erbguts dieser riesigen Tintenfische verspricht nun neue Einblicke in ihre Biologie. Im Fachblatt "Gigascience" berichten Forschende um Rute da Fonseca von der Universität Kopenhagen nun darüber.

Groß ist nicht nur der Körper an sich, sondern auch das Genom von "Architeuthis dux", so sein wissenschaftlicher Name: Mit 2,7 Milliarden "Buchstaben" oder besser Basenpaaren liegt es bei etwa 90 Prozent der Größe des menschlichen Genoms. Das Forscherteam analysierte Gruppen von wichtigen, sehr gut erforschten Genen, die bei einer Vielzahl von Tieren bis hin zum Menschen vorkommen. Dabei zogen die Wissenschafter insbesondere Vergleiche zu vier anderen, bereits entschlüsselten Tintenfisch-Genomen und dem Menschen.

Einzigartige Besonderheiten

Von einigen wichtigen Entwicklungsgenen, die bei den meisten Tieren vorkommen, fanden sie nur eine einzelne Kopie. Dadurch lasse sich ausschließen, dass die enorme Größe des Riesenkalmars von mehreren Metern auf einen alten Trick der Evolution zurückgeht, mit dem Wirbeltiere an Größe zulegten - nämlich durch die Verdopplung des gesamten Genoms. Nach den Mechanismen dieses Wachstums muss nun noch gesucht werden. Auch noch weitere Fragen gilt es zu beantworten. Zum Beispiel auch, wie es dazu kam, dass Cephalopoden, also die Tiergruppe, zu der Kalmar, Oktopus und Nautilus gehören, im Vergleich zu anderen wirbellosen Tieren so große Gehirne besitzen.

Das neu entschlüsselte Erbgut sei ein wichtiger Schritt zu einem besseren Verständnis der Besonderheiten - und im weiteren Sinne wie neue Gene in der Evolution entstehen und sich durchsetzen.