Wien. Bärtierchen sind so gut wie unzerstörbar. Man kann sie einfrieren oder kochen. Trockenheit überdauern sie, zusammengerollt, in einem Dörrzustand. Sie halten hohen Druck, kosmische Strahlung und als einzige bekannte Tierart sogar das Vakuum des Weltalls aus. Der Stamm innerhalb der Häutungstiere besteht aus 1300 Arten, alle nur drei bis fünf Millimeter lang. Die pummeligen Wirbellosen, deren Optik an einen stark wattierten Raumanzug mit acht Stumpfbeinchen erinnert, sollen bereits Massenaussterben überlebt haben.

Doch selbst Bärtierchen haben Schwächen. Ein dänisches Forschungsteam hat ihre Achillesferse gefunden: Sie kapitulieren bei hohen Temperaturen über längere Zeit. Das berichtet die Universität Kopenhagen im Fachmagazin "Scientific Reports".

Zu lang zu warm ist der Tod

Ricardo Cardoso Neeves und seine Kollegen haben die Art Ramazzottius varieornatus untersucht. Sie lebt in Meeres- und Frischwasser-Sedimenten, Moosen, Algen, Laubabfällen und Schlammvulkanen, vom Äquator bis zu den Polen. Um ihren Metabolismus aktiv zu halten, benötigen sie einen Wasserfilm um sich herum. Wenn dieser fehlt, rollen sie sich zusammen und gehen in besagten Dörrzustand, eine Art Winterschlaf. Wird es ihnen aber über längere Zeit zu warm, sterben sie.

Cardoso Neeves und sein Team untersuchten Bärtierchen in Dachrinnen - aktive und solche im Dörrschlaf. Nach 24 Stunden bei 37,1 Grad Celsius starben 50 Prozent der aktiven Bärtierchen. Konnten sie sich an steigende Temperaturen gewöhnen, hielten sie bis zu 37,6 Grad aus. Bei fortschreitender Erderwärmung wären sie also verloren. Schlafende Artgenossen schafften spontan 63,1 und nach einer Phase der Akklimatisierung sogar 82,7 Grad Celsius. Die Buschbrände in Australien würden aber auch sie zur Strecke bringen.(est)