Innsbruck/Wien. Ameisen ziehen nicht selten gegen den Nachbarstaat ins Feld. Bei Superkolonie-bildenden Arten, wie etwa der eingeschleppten Argentinische Ameise, ist es anders. Sie können über weite Distanzen hinweg Staaten mit vielen Königinnen bilden, deren Untertanen kooperieren. Die größte Superkolonie erstreckt sich über 5000 Kilometer von italienischen Küstenregionen bis zum Norden der Iberischen Halbinsel.

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Wissenschafter stellt das bisher nur bei Ameisen beobachtete Phänomen vor ein Rätsel, denn evolutionstheoretisch begründete Ansätze greifen hier nicht. So gibt es keinen Hinweis darauf, dass genau jene genetischen Eigenschaften, die die Tiere kooperativ machen, vorrangig vererbt werden. Die Ökologen Florian Steiner und Birgit Schlick-Steiner von der Universität Innsbruck untersuchen das Rätsel anhand einer Art, die sowohl in Superkolonien als auch in Konkurrenz lebt. "Tetramorium alpestre" bildet in den österreichischen Alpen sowohl wehrhafte, kleine Gruppen mit einer Königin als auch mit Superkolonien vergleichbare, größere Gruppen.

Das Team sammelte im Alpenraum zahlreiche Exemplare und dokumentierte Verhaltensdaten der Gruppen. Dann wählte es 72 repräsentative Tiere aus, um deren DNA und RNA auszuwerten. Während die DNA Informationen über vererbte Verhaltensweisen bereit hält, lässt sich laut den Forschern anhand der RNA ablesen, welche Erbgutteile aktiv sind. Damit kann auf den Einfluss der Erfahrungen der Tiere rückgeschlossen werden. Überdies wurden umfassende Videoaufnahmen und chemische Analysen der Nester gemacht.

Es scheint, dass weder Verwandtschaft noch regionale Bedingungen die entscheidende Rolle spielen. Ersten Ergebnissen zufolge finden sich in den DNA-Daten keine auffälligen Überschneidungen bei Tieren, die sich ähnlich verhalten. Mit der Auswertung der RNA-Daten rechnen die Wissenschafter im Laufe des Jahres. Aus ihrer Sicht wäre es "großartig, wenn die Expression von einem oder weniger Genen darüber entscheidet, ob sich ein Individuum aggressiv oder friedlich zu Individuen einer anderen Kolonie verhält", sagt Steiner. Ein besseres Verständnis des Phänomens könnte den Erfolg eingeschleppter Arten erklären.(apa/est)