Als die Menschen entdeckten, um wie viel angenehmer Feuer ihr Leben machte und sie gelernt hatten, es zu entfachen und zu kontrollieren, war das ein riesiger Schritt in der Entwicklung der Menschheit. Ein weiterer Meilenstein war die Bearbeitung von Metall: Die Menschen stellten daraus Schmuck, Waffen, Werkzeuge und andere Utensilien her – und sie erwiesen sich in allen Kategorien als äußerst kunstfertig und kreativ.
Über die Jahrhunderte entdeckten sie weitere Schätze im Boden – Edelsteine, Seltene Erden, Erdöl oder Erdgas – und sie wussten sie alle zu nutzen. Unsere heutigen technischen und elektronischen Errungenschaften würden ohne Bodenschätze und das Wissen um ihre Verarbeitung nicht existieren, doch all das hat einen Preis – einen sehr hohen sogar…

Ohne Bodenschätze geht’s nicht
Es gibt kaum einen Bereich im menschlichen Leben, der nicht in irgendeiner Form von Bodenschätzen jeglicher Art geprägt ist. Ihre Förderung aus den Lagerstätten erfolgt entweder im Tagbau (etwa Steinbruch, Kies- oder Sandgrube oder durch Schürfen), im Tief- oder Untertagbau (Bergwerk) oder im Bohrlochbergbau (Tiefbohrungen an Land und im Meer etwa für die Erdölförderung, oder im Salzbergbau). Jede dieser drei Förderarten hat deutliche Auswirkungen auf die Umwelt, im Tagbau allein schon dadurch, dass durch das Abtragen großer Erd- und Gesteinsmengen ganze Landschaften zerstört oder nachhaltig verändert werden. So bildete sich bereits im Mittelalter durch die Verhüttung im Umfeld der Bergwerke Galmeivegetation, also Pflanzen, die mit den im Boden befindlichen Schwermetallen zurechtkamen, während andere Arten verschwanden.

Die für den Betrieb eines Bergwerks notwendige Infrastruktur wie Straßen oder Eisenbahnlinien, Stromleitungen und Unterkünfte für die Arbeiter parzelliert und zerstört Habitate, was massive Auswirkungen auf Fauna und Flora hat. Dazu kommen Emissionen giftiger Stoffe in Luft und Wasser: So findet man etwa im Umkreis von Goldminen stets große Mengen von Quecksilber, bei der Gewinnung metallischer Erze gelangen Phosphor- und Schwefelverbindungen in die Umwelt, bei der Uran-, aber auch der Kohlegewinnung und Erdölförderung fallen radioaktive Stoffe an. Kein Wunder, dass Bergbaubetriebe am häufigsten für die am stärksten verseuchte Orte der Welt verantwortlich sind – sie liegen auf der Liste, die das amerikanische Blacksmith Institute seit 2006 erstellt, auf Platz zwei hinter den Batterie-Recyclingbetrieben (http://www.worstpolluted.org/docs/WorldsWorst2016.pdf).

Die Nachfrage steigt
Die wachsende Weltbevölkerung und der steigende Bedarf nach Autos oder elektronischen Geräten erhöht natürlich die Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen und Seltenen Erden immer weiter. Doch die leicht erreichbaren und dadurch billig zu fördernden Lagerstätten sind nahezu ausgebeutet, die Methoden, neue zu finden und abzubauen, werden aufwendiger und damit teurer. Da die größten Vorkommen metallischer Rohstoffe allerdings meist in den ärmsten Ländern der Erde liegen, dort die Gesetzgebung in Sachen Bergbau sehr flexibel ist und Korruption vielen großen Bergbaufirmen den Abbau erleichtert, leiden Umwelt und Menschen in den betroffenen Ländern besonders stark.

So werden etwa in Indonesien oder der Demokratischen Republik Kongo riesige Waldflächen für die Gewinnung von Zinn respektive Kobalt gerodet, aber auch zum Beispiel in Brasilien vernichtet die Förderung von Bauxit, das zu Aluminium veredelt wird, jährlich große Mengen an Regenwald. Diese Entwaldung verringert die Biodiversität, die Landwirtschaft, die auf den empfindlichen Waldböden betrieben wird, zerstört diese. Auch der Wasserhaushalt ist in Bergbauregionen stark beeinträchtigt: Durch den massiven Verbrauch sinken die Grundwasserspiegel und ganze Flüsse trocknen aus. Dazu kommt die Verunreinigung der Gewässer durch Schwermetalle und Schadstoffe, die beim Abbau freigesetzt beziehungsweise für den Abbau eingesetzt werden. Der kontaminierte Schlamm wird in Absetzbecken und Halden gelagert, wodurch hochgiftiges Grubenwasser, "Acid Mine Drainage" (AMD), entsteht. Sind die Becken undicht und das Grubenwasser sickert in die Erde, ist diese für Jahrhunderte vergiftet. Bricht ein solches Becken, ergießt sich die ätzende Schlammlawine über große Strecken und vernichtet alles, was auf ihrem Weg liegt: In Ungarn etwa brach im Oktober 2010 ein Becken mit Rotschlamm, ein Abfallprodukt, das bei der Gewinnung von Aluminiumoxid aus aluminiumhaltigen Erzen, besonders Bauxit, anfällt, und das hochgiftig ist; in Brasilien brach 2015 der Damm eines Rückhaltebeckens für Rotschlamm, die Schlammlawine begrub mehrere Ortschaften und verseuchte den Fluss Rio Doce derart, dass er bis heute kein Leben mehr enthält.