Ohne Boden kein Leben – ohne Leben kein Boden. Das Erdreich unter unseren Füßen, mit dem wir mittels Schwerkraft in Verbindung stehen, bietet Mensch und Tier die Lebensgrundlage schlechthin. Ohne ihn ist Leben in der Form, wie wir es kennen, gar nicht möglich. Fruchtbarer Boden, auf dem Pflanzen wachsen und damit die Nahrungsmittelproduktion erst möglich wird, ist die Grundlage jeglicher menschlichen und tierischen Existenz. Doch viele Player sind auch dafür verantwortlich, dass der Boden überhaupt fruchtbar sein kann und bleibt. Kleines und großes Getier gräbt sich durch die Erde, buddelt, was das Zeug hält, und trampelt das Fußreich wieder kräftig nieder. Auch der Mensch gräbt, buddelt und trampelt, fügt dem Boden damit allerdings auch Schaden zu.

Die Bewirtschaftung hat Zeichen hinterlassen. Zwar hat der Mensch zeitlebens das Erdreich genutzt, kultiviert und versucht, seinen Ertrag zu steigern – damit verbunden sind allerdings Entwaldung, Besiedelung, steigende Überweidung, intensivierte Landwirtschaft, Rohstoffabbau aber auch Deponierung von Schadstoffen, Verkehr und Kriege. Der Boden ist gefordert – heute mehr denn je. Angesichts des starken Wachstums der Weltbevölkerung wird sich die Gefährdung weiter verstärken.

Funktionen sind Goldes wert
Und das mit weitreichenden Konsequenzen. Denn die Funktionen des Bodens sind Goldes wert. So ist er die Basis für die Biomasseproduktion – also die Basis dafür, dass Pflanzen wachsen können. Mikroorganismen, Insekten, Regenwürmer und vieles mehr an Getier halten sich in der Erde auf. "In Summe ist die Biodiversität, also die Artenvielfalt, im Boden wesentlich höher als auf ihm", schildert der österreichische Ökologe Martin Gerzabek von der Universität für Bodenkultur Wien im Gespräch mit dem "Wiener Journal". Wobei der Forschung erst fünf Prozent davon bekannt sind. Zudem ist der Boden Filter und Puffer. So filtert er etwa Schadstoffe, die aus dem Regenwasser oder der Luft in ihn gelangen, und garantiert damit sauberes Grundwasser. Im Kontext zu den menschlichen Tätigkeiten weltweit sei das eine sehr wichtige Funktion geworden, so der Experte. Denn heute transportiert der Mensch größere Massen an Materialien, als es die Natur bereits tut. Mit dem Material, das meist als Rohstoff zum Einsatz kommt, werden allerdings auch Schadstoffe über große Flächen verbreitet, die es erst einmal zu verdauen gilt.

Der Boden ist auch die Basis unseres kulturellen Erbes – und das nicht nur, wenn man an die Archäologie mit ihren weltweiten Ausgrabungen denkt. Der Mensch beeinflusst den Boden durch seine Bewirtschaftung. So ist es heute noch möglich, zu analysieren, was unsere Vorgänger vor 2000 Jahren gemacht haben. Deutlich ist dabei zu sehen, dass sich die Böden anders entwickelt haben, als es unter natürlicher Vegetation passiert wäre. Das lässt sich auch mit Forschungen auf den Galapagos-Inseln nachvollziehen, erzählt Gerzabek. Dort haben die Forscher beobachtet, wie die intensive Landwirtschaft die Böden im Verhältnis zum Nationalpark verändert. "Nach 15 Jahren Landwirtschaft finden wir dort um 25 Prozent weniger Humus in den Böden, viele der Nährstoffe sind zurückgegangen."

Die Aufgabe des Humus
Dabei hat auch der Humus – die Gesamtheit der abgestorbenen organischen Bodensubstanz, die sich vor allem in den ersten zehn bis 30 Zentimetern des Erdreiches befindet – keine unwesentliche Aufgabe. Die organischen Bestandteile des Bodens sind wichtig für die Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen, aber auch für die Porenverteilung und damit für den Luft- und Wärmehaushalt unter Tage. Humus speichert zudem Wasser, verbessert die Bodenstruktur und reduziert Verschlämmung und Erosion.