Gainesville. Wenn Schildkröten Plastik fressen, kann das ihr Verdauungssystem blockieren und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Das käme häufig vor, weil die Meerestiere etwa Plastiksackerln mit Quallen verwechseln würden - hieß es bis jetzt. Nun berichtet ein Forschungsteam der University of Florida im Fachblatt "Current Biology", dass sich die Tiere vom Geruch des Plastiks angezogen fühlen. Denn mit der Zeit überzieht eine Schicht von Mikroorganismen und anderen Lebewesen den im Wasser treibenden Kunststoff und sorgt so für einen verlockenden Nahrungsduft.

Schildkröten stoßen bei ihrer Nahrungssuche auf viel Ungenießbares. - © apa/afp/Loic Venance
Schildkröten stoßen bei ihrer Nahrungssuche auf viel Ungenießbares. - © apa/afp/Loic Venance

Die Forschenden sprechen von "Biofouling", wenn sich Mikroben, Algen, Pflanzen und Kleinstlebewesen auf Oberflächen wie etwa Plastik ansiedeln. Diese Schicht sorgt für einen Geruch, der für gewöhnlich von Nahrung - etwa auch Beutetieren - ausströmt. Wie sehr sich Schildkröten davon angezogen fühlen, haben die Forschenden in einem Experiment herausgefunden. Sie setzten 15 junge, in Gefangenschaft aufgezogene, sogenannten Unechte Karettschildkröten (Caretta caretta) auf gewisse Gerüche an und beobachteten dann ihr Verhalten. Die Gerüche wurden durch ein Rohr über ein kleines Becken geleitet. Zu ihnen gehörten neben dem Duft von Fisch und Garnelen auch jener von Plastik, an dem sich Mikroorganismen abgelagert haben. Als Kontrollgerüche wurden entionisiertes Wasser und sauberes Plastik benutzt.

Große Anziehungskraft

Das Verhalten der Schildkröten war den Forschern zufolge bezeichnend: Im Vergleich zu den Kontrollgerüchen hielten sie ihre Nasen mehr als dreimal länger aus dem Wasser, als die Forscher den Duft von Essen oder von Plastik mit Ablagerungen über das Wasser leiteten. "Wir waren überrascht, dass Schildkröten auf Gerüche aus Plastik mit Ablagerungen mit der gleichen Intensität reagierten wie auf ihr Futter", erklärt der Biologie Joseph Pfaller in der Publikation. Zukünftige Studien müssten nun nachweisen, welche Art von Lebensgemeinschaften auf dem Plastik die Tiere auf die falsche Fährte führen.(gral/apa)