Die Ozeane weltweit haben einiges auszuhalten. Nicht nur der Klimawandel, sondern auch Überfischung und Müll belasten sie schon seit Jahrzehnten. Je mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, desto wärmer und saurer wird das Wasser. Der Kalk von Muschelschalen und Korallen löst sich auf, Sauerstoff wird zur Mangelware, das pflanzliche Plankton schwindet, Tiere flüchten in andere Regionen oder drohen gar auszusterben.

Natur reagiert schnell

Obwohl der Mensch das Leben im Wasser dermaßen stark zu seinem Nachteil verändert hat, fanden Forscher dennoch Hinweise für eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Für die ersten zwei Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts sehen sie gar eine Erholung. Ein Forscherteam präsentiert nun im Fachblatt "Nature" einen Fahrplan für Maßnahmen, die erforderlich sind, damit sich das Meeresleben des Planeten bis zum Jahr 2050 in vollem Umfang erholen kann.

"Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir zwischen dem Erbe eines widerstandsfähigen und pulsierenden Ozeans oder einem irreversibel gestörten Ozean wählen können", betont Carlos Duarte, Meeresbiologie an der King Abdullah University of Science and Technology in Thuwal (Saudi-Arabien).

Dass die Natur sehr schnell reagiert, zeigt sich nicht zuletzt im Zuge der Corona-Krise. Venedigs Gewässer sind aufgrund der massiven Einschränkungen mittlerweile glasklar, vor der Küste Triests tummeln sich Delfine. Nicht zuletzt ist in den hiesigen Hinterhöfen mehr Vogelgezwitscher als sonst zu vernehmen.

Doch zurück zum Ozean: Aktive Maßnahmen zum Schutz von Meerestieren haben in den vergangenen Jahren gefruchtet. So zeigt sich etwa bei den Blauwalen eine Erholung der Bestände. Die Art war durch den Walfang an den Rand des Aussterbens gedrängt worden. Es sei demnach möglich, wieder einen Erholungsprozess in Gang zu setzen.

Die Studie zeige, dass Meerespopulationen, Lebensräume und ganze Ökosysteme schon aufgrund früherer Schutzmaßnahmen wieder hergestellt werden konnten, so Duarte. Und sie beinhalte spezifische, evidenzbasierte Empfehlungen, "um bewährte Lösungen weltweit zu skalieren".

Schlüssel Klimawandel

Das Forscherteam identifizierte neun wesentliche Grundkomponenten, die für einen Wiederaufbau im Meer von entscheidender Bedeutung seien: Salzwiesen, Mangroven, Seegräser, Korallenriffe, Austernriffe, Seetang, Fischerei, die Megafauna und die Tiefsee. Die empfohlenen Maßnahmen umfassen die Wiederherstellung von Lebensräumen, die Abschwächung des Klimawandels, den Schutz von Spezies und Regionen sowie die Reduktion der Umweltverschmutzung.

Innerhalb von zwei bis drei Jahrzehnten sei es möglich, entsprechende Erfolge einzufahren und dem Planeten und nicht zuletzt dem Menschen enorme Vorteile angedeihen zu lassen, betonen die Wissenschafter in der Publikation.

Ein Schlüsselelement für den Erfolg sei die Eindämmung des Klimawandels durch die Reduktion globaler Treibhausgasemissionen. Ziel sei es, die Fälle der Meereslebewesen wieder aufzubauen. Das könne allerdings nur gelingen, wenn die ehrgeizigen Ziele des Pariser Abkommens erreicht werden, so die Forscher. Der Erfolg hänge sehr von der Unterstützung von Regierungen und Gesellschaften ab. Auch werde es einen erheblichen Einsatz finanzieller Ressourcen benötigen.

"Wir haben ein enges Zeitfenster, um der Generation unserer Enkelkinder einen gesunden Ozean zu liefern, und wir verfügen über das Wissen und die Werkzeuge, um dies zu tun", betont Duarte.