Forststraßen in Wirtschaftswäldern entpuppen sich als verstecktes Ökosystem. Böschungen und Grünstreifen entlang dieser Wege dienen zahlreichen gefährdeten Arten als Rückzugsort. Das zeigt einen Studie im Rahmen eines Naturraummanagement-Projekts der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), wie diese am Donnerstag in einer Aussendung mitteilten.

In dem Projekt haben Experten der Bundesforste gemeinsam mit Zoologen, Botanikern und Biostatistikern drei Jahre lang die Begleitstreifen und Böschungen von 126 Forststraßen-Abschnitten auf einer Länge von jeweils 100 Metern in fünf Regionen Österreichs in unterschiedlichen Höhenlagen wissenschaftlich untersucht. "Zu unserer Überraschung entdeckten wir entlang der Waldstraßen ein perfekt eingespieltes Ökosystem, das bis jetzt noch kaum erforscht war", erklärt ÖBf-Vorstand Rudolf Freidhager. 172 verschiedene Tierarten, von denen 48 auf der Roten Liste stehen, sowie 70 teils regional gefährdete oder geschützte Pflanzenarten wurden dabei dokumentiert.

Mehr Licht als im Wald

Viele gefährdete Insektenarten würden an den Böschungen mehr Licht und Wärme als in den angrenzenden Wäldern finden. Das begünstige vor allem licht- und wärmeliebende Schmetterlinge und Heuschrecken. So wurden die zehn häufigsten heimischen Schmetterlingsarten, wie etwa der C-Falter, vier Mal so oft wie im angrenzenden Wald gesichtet. Auch gefährdete Exemplare wie der Feurige Perlmuttfalter wurden deutlich öfter nachgewiesen. Einige gefährdete Heuschreckenarten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke, die Italienische Schönschrecke und mehrere Arten von Dornschrecken wurden ausschließlich entlang der Forststraßen und nicht im umgebenden Wald angetroffen.

Gefährdete Amphibien wie Grasfrosch oder Bergmolch profitieren der Studie zufolge von den kleinen Lacken in den Straßengräben und legen dort ihre Eier ab. Von den schützenswerten Pflanzen wachsen zum Beispiel Arnika, verschiedene Bärlapp-Arten, Schwalbenwurz-Enziane oder auch Schneerosen entlang der Wege.

Wege sind auch Hindernisse

Die Studie habe aber auch aufgezeigt, dass Arten durch Forststraßen behindert werden können. Die Wege können etwa für Kleinorganismen des Waldbodens wie Schnecken oder Weberknechte ein unüberwindliches Hindernis darstellen. Als Beispiel wird etwa der in Österreich stark gefährdete Schneckenkanker, der zur Gruppe der wenig mobilen Bodenstreubewohner zählt, durch Forststraßen beeinträchtigt.

Um Maßnahmen dagegen zu setzen und den Lebensraum entlang von Forststraßen besser zu gestalten,  haben die Bundesforste eine neue Broschüre "Aktiv für biologische Vielfalt an Forststraßen" veröffentlicht. Sie enthält Informationen zu Artenvielfalt und gibt Praxistipps zum achtsamen Umgang mit der Natur entlang der Forststraßen. (apa)