Nachdem eine Erdbebengefährdungskarte ein Vierteljahrhundert lang das Risiko für Erdstöße in Österreich abgebildet hat, erstellten Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) eine neue, verbesserte Version. Sie zeigt im Durchschnitt eine leicht niedrigere Gefährdungen und wird heute, Mittwoch, bei der virtuellen Konferenz der "European Geosciences Union (EGU)" präsentiert.

"Auf der Karte ist die Bodenbeschleunigung mit einer gewissen Überschreitungswahrscheinlichkeit in einem gewissen Zeitraum dargestellt", erklärte Stefan Weginger von der Abteilung Geophysik der ZAMG im Gespräch mit der APA. Sie sei wichtig für die lokalen Bauordnungen und dient den Bauingenieuren für Berechnungen, wie sie da und dort die Brücken und Hochhäuser konstruieren müssen. "Die Gefährdung ist in Österreich nirgendwo so groß, dass nicht gebaut werden darf, aber die Auflagen sind lokal aufgrund der Erdbebengefährdung unterschiedlich", sagte er.

Neu eingeschätzte Berichte

Die alte Karte stamme aus dem Jahr 1994 und wurde maßgeblich von ZAMG Experten Wolfgang Lenhardt erstellt, der auch an der neuen Version beteiligt war, die in einem Fünf-Jahres Projekt erstellt wurde. In sie sind zusätzliche Messdaten von 25 Jahren eingeflossen, die mit einem viel feineren seismischen Messnetzwerk als früher erhoben wurden, so Weginger. Man kenne auch die Störungszonen im Lande heute genauer als vor einem Vierteljahrhundert, und die Berechnungen, wie sich die Schwingungen mit der Entfernung abschwächen, könne man heutzutage mit Modellen lokal berechnen, anstatt sie wie früher nach globalen Modellen abschätzen zu müssen.


In der Karte sind auch Berichte von historischen Beben berücksichtigt, die von ZAMG-Forscherin Christa Hammerl anhand zusätzlicher Archivberichte neu eingeschätzt wurden. "Dadurch wurde die Erdbebengefährdung zum Beispiel in der Gegend von Scheibbs in Niederösterreich im Vergleich zur vorigen Karte wesentlich reduziert, weil wir jetzt eine bessere historische Bewertungsgrundlage haben", sagte Weginger. In der Region mit der größten Gefährdung habe sich hingegen wenig geändert, sie befindet sich südlich von Wiener Neustadt und erstreckt sich bis über den Semmering, erklärte der Erdwissenschafter. (apa)