Austin/Wien. Ein Lama könnte zu einer wichtigen Figur im Kampf gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 werden. Die vierjährige Winter aus Belgien ist Probandin von einer Reihe von Virusstudien und war schon mit Krankheiten wie Sars und Mers konfrontiert. Als die Forscher herausfanden, dass ihre Antikörper beide Infektionen erfolgreich abwehrten, rückte das neue Virus, das Covid-19 verursacht, als mögliche Angriffsfläche in den Fokus ihrer Arbeit. Wie die Wissenschafter nun im Fachblatt "Cell" berichten, lagen sie mit ihrer Einschätzung richtig. Sie fanden heraus, dass Antikörper aus ihrem Blut den Erreger ausschalten können.

Lama Winter macht Hoffnung auf Therapien. - © University of Texas/Tim Coppens
Lama Winter macht Hoffnung auf Therapien. - © University of Texas/Tim Coppens

Vom Lama-Reservoir und der Fähigkeit der Antikörper könnte der Mensch profitieren. Im Gegensatz zum Menschen produzieren die Tiere nicht nur eine Art von Antikörpern, sondern zwei. Einer ähnelt in Größe und Konstitution der humanen Variante, der andere ist hingegen viel kleiner - nur etwa ein Viertel so groß. Diese Winzlinge können praktisch weiter als ihre größeren Schwestern vordringen. Zudem lassen sich diese Antikörper von Lamas leicht manipulieren, sagt der Virologe Xavier Saelens von der Universität Gent. Sie können mit anderen Antikörpern, einschließlich menschlicher, verknüpft werden und bleiben dennoch stabil.

Therapie und Prophylaxe

Da sie so winzig sind, könnten sie etwa auch in einem Inhalations-Spray zum Einsatz kommen und zum Geschehen der Infektion vordringen, schildert der Student Daniel Wrapp aus dem Forscherteam. Diese Antikörper wären eine gute Grundlage für eine Therapie, aber auch mögliche Prophylaxe. Damit sei man direkt nach der Behandlung geschützt, erklärt der Molekularbiologie Jason McLellan von der University of Texas in Austin. Impfungen hingegen benötigen einige Zeit, um einen Schutz aufzubauen. Ein solches Medikament könnte nicht nur eine Erkrankung lindern, sondern auch prophylaktisch zum Einsatz kommen. Allerdings bleibe der Schutz im Gegensatz zu jenem einer Impfung nur kürzere Zeit - etwa ein bis zwei Monate - wirksam, so die Forscher. Dies sei dennoch genug Zeit, um Risikogruppen oder auch medizinisches Personal zu schützen.

Nun seien weitere Studien erforderlich, um die Sicherheit von injizierten Lama-Antikörpern beim Menschen zu überprüfen. "Wenn es funktioniert, verdient Lama Winter eine Statue", ist sich Saelens bewusst.

Rätselhafter Mechanismus

Auch Schuppentiere (Pangoline) weisen bezüglich Sars-CoV-2 eine Besonderheit auf. Sie können zwar Träger des Virus sein, dieses jedoch durch einen unbekannten Mechanismus tolerieren, berichtet ein Forscherteam der Medizinuni Wien im Journal "Frontiers in Immunology". Den exotischen Tieren fehlen demnach zwei Sensoren, die eindringende Viren detektieren und bei anderen Säugetieren eine - manchmal gefährlich überschießende - Immunantwort auslösen. Die Forscher konzentrierten sich auf Schuppentiere, da diese im Verdacht stehen, als Zwischenwirt für Sars-CoV-2 gedient zu haben, bevor das Virus auf den Menschen übertragen wurde und schließlich die aktuelle Covid-19-Pandemie auslöste.

Der genaue Mechanismus muss nun in Folgestudien geklärt werden. Die aktuelle Arbeit biete aber einen Ausgangspunkt für mögliche Therapien, die nicht direkt auf das neue Coronavirus abzielen, sondern die Reaktion des Körpers auf eine Infektion besser kontrollieren sollen.