Berlin. Der australische Nachtsittich ist eine extrem seltene Papageienart und trägt seine besondere Eigenschaft schon im Namen: Er ist - anders als fast alle anderen Papageien - nachtaktiv. Nun haben Forscher eine erstaunliche Erkenntnis gewonnen: Der gelblich-grüne Vogel kann nachts wohl gar nicht viel besser sehen als seine tagaktiven Verwandten.

- © Charles Darwin University/Murphy
© Charles Darwin University/Murphy

Das Team um Vera Weisbecker von der australischen Flinders University fand heraus, dass das visuelle System des stark gefährdeten Papageien nicht so gut an das Leben in der Dunkelheit angepasst ist wie man das von einem nachtaktiven Vogel erwarten würde. Zäune im Outback könnten deshalb "eine negative Auswirkung" auf Nachtsittiche haben.

Da die Vögel nachts Futter finden sowie Hindernissen und Feinden ausweichen müssen, sei man zuvor davon ausgegangen, dass ihr Sehvermögen an die Dunkelheit angepasst ist, erläutern die Forscher im Fachblatt "Scientific Reports". Stattdessen sei dies nicht der Fall. Die Wissenschafter hatten den Schädel eines toten Nachsittichs per Computer-Tomographie untersucht und 3D-Rekonstruktionen mit denen anderer Papageienarten verglichen.

Nachtsittiche sind neben den neuseeländischen Kakapo-Papageien die einzige nachtaktive Art. Menschen bekommen die Vögel so selten zu Gesicht, dass nicht einmal bekannt ist, wie viele Exemplare es überhaupt gibt.