Natürliche Schwankungen von Trockenphasen werden durch den Klimawandel deutlich verstärkt, wie auch in den vergangenen Jahren in Österreich zu sehen war. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie unter der Leitung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), die Dürreperioden im Alpenraum der vergangenen 210 Jahre untersucht hat.

Längere markante Dürreperioden, die Jahre anhalten können, kommen der Studie zufolge im Alpenraum mit einem Abstand von einigen Jahrzehnten immer wieder vor, wie in den 1860- und in den 1940er-Jahren. In Folge der Dürre der 1860er-Jahre trocknete beispielsweise der Neusiedlersee fast vollständig aus.

Mangel an Niederschlägen

Die Schwankungen der Wettersysteme. - © ZAMG
Die Schwankungen der Wettersysteme. - © ZAMG

Auch der seit Beginn der 2000er-Jahre beobachtete Mangel an Niederschlag in vielen Regionen Österreichs könnte zu so einer langfristigen Dürreperiode gehören. "Auch 2020 verlief bisher relativ trocken. Trotz des Regens seit Mai in einigen Regionen gab es bisher österreichweit gesehen um rund 20 Prozent zu wenig Niederschlag. Im Süden und im Osten Österreichs fiel heuer stellenweise sogar um rund 40 bis 70 Prozent zu wenig Niederschlag", hieß es in einer Aussendung.

Vergleich des Niederschlags. - © ZAMG
Vergleich des Niederschlags. - © ZAMG

Bei der Analyse von Dürreperioden zeigte sich, wenig überraschend, ein starker Zusammenhang zwischen Regenmangel und der Häufigkeit von Hochdruckwetterlagen. "Das Auftreten dieser Hochdruckwetterlagen ist aber nicht rein zufällig", sagt Klaus Haslinger, Klimaforscher an der ZAMG, "sie sind in manchen Jahren häufig und in manchen selten. Das hängt mit den langfristigen Schwankungen von sehr großräumigen Zirkulationen in der Atmosphäre und in den Ozeanen zusammen. So können trockene Phasen über mehrere Jahre entstehen, was Probleme zum Beispiel in der Landwirtschaft und beim Grundwasser zu Folge hat."

Frühere Studien fanden vor allem einen Zusammenhang zwischen Dürreperioden in Nordeuropa und langfristigen atmosphärischen Schwankungen im Bereich des Nordatlantiks (Nordatlantische-Oszillation). "Wir konnten zeigen, dass Dürreperioden im Alpenraum nicht mit der Nordatlantischen Oszillation zusammenhängen, sondern mit der Ostatlantik-Westrussland-Oszillation", so Haslinger. Diese beschreibe großräumige Schwankungen des Luftdrucks zwischen dem Atlantik und Eurasien, die über mehrere Monate und Jahre dauern können.

Dürremonitoring

"Vereinfacht gesagt fördert eine positive Phase der Ostatlantik-Westrussland-Oszillation die Bildung von sehr stabilen Hochdruckgebieten über Großbritannien. Solche Wetterlagen blockieren alle Tiefdruckgebiete, die vom Atlantik nach Mitteleuropa ziehen und es stellt sich sehr trockenes Wetter ein. Das war etwa heuer im März und April fast durchgehend für einige Wochen der Fall. Das Ergebnis war in Österreich einer der trockensten und mildesten Frühlinge der Messgeschichte", so Haslinger.

Diese Oszillation ist vor allem im Winter und Frühling relevant. Viele Sommer brachten hingegen noch weniger Niederschlag, als zu erwarten gewesen wäre. "Hier zeigt sich, dass bei bestimmten Wetterlagen die Niederschlagsmenge im Sommer von der zuvor vorhandenen Bodenfeuchte abhängig ist und sich somit eine positive Rückkoppelung einstellt", sagt der Experte. Ein trockener Frühling erhöhe die Wahrscheinlichkeit für einen trockenen Sommer.

Die Studie zeigte auch, dass der Klimawandel die Dürre-Perioden stark beeinflusst. Die Klimaerwärmung habe zwei Auswirkungen: "Erstens: Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen und desto mehr Wasser verdunstet aus den Böden. Zweitens dauert in einem wärmeren Klima die Vegetationsperiode länger. Die Pflanzen beginnen früher auszutreiben und gehen später in Winterruhe. Daher entnehmen sie den Böden über einen deutlich längeren Zeitraum Wasser."

Da Dürren u.a. für die Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung eine große Rolle spielen, initiierten die Alpenstaaten Italien, Slowenien, Frankreich, Schweiz, Deutschland und Österreich das Projekt "Alpine Drought Observatory". Ziel ist, ein umfangreiches Dürremonitoring-System für den gesamten Alpenraum und konkrete Methoden zum Thema Wasser- und Risikomanagement zu entwickeln. Die ZAMG und das Land Oberösterreich sind beteiligt.(apa)