Vom Säugetier bis zum Vogel - von Pflanzen und Schwammerln bis hin zur Mikrobe: Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung von Wissenschaftern des Naturhistorischen Museums Wien arbeitet an der Erstellung einer einzigen anerkannten Liste für alle Arten auf der Welt. Damit soll die biologische Klassifikation international für alle Institutionen vereinheitlicht werden.

Die Spezifikation von Arten ist nicht immer einfach - hier eine Netzgiraffe. - © NHM/Franke E. Zachos
Die Spezifikation von Arten ist nicht immer einfach - hier eine Netzgiraffe. - © NHM/Franke E. Zachos

"Alle Arten aufzulisten, hört sich wie Routinearbeit an, ist aber eine erstaunlich schwierige und komplexe Aufgabe", schildert Frank Zachos, Kurator der Säugetiersammlung am NHM. Im Fachblatt "Plos Biology" wird erstmals ein Verfahren vorgeschlagen, wie eine einzige anerkannte Liste erstellt werden könnte. Die Lösung sind zehn Grundsätze, um Artenlisten aller Lebewesen zu erstellen und zu verwalten. Empfohlen wird zusätzlich eine Infrastruktur, mit deren Hilfe die Listen gut gepflegt und weithin akzeptiert werden können.

Derzeit gibt es keine Liste, die von allen Institutionen anerkannt wird. Stattdessen gibt es für viele bekannte Gruppen wie etwa Säugetiere und Vögel verschiedene, miteinander konkurrierende Aufzählungen, während es für andere, weniger bekannte Gruppen überhaupt keine vollständigen Zusammenstellungen gibt, schreibt das NHM in einer Aussendung.

Die biologische Vielfalt

Das schafft Probleme für Organisationen und Regierungen, die auf wissenschaftlich fundierte und akzeptierte Listen angewiesen sind, wenn es um Naturschutz, internationale Abkommen und Regeln für den Handel mit bedrohten Arten geht. Ebenso behindert das Fehlen einer solchen Liste die weitere Erforschung der biologischen Vielfalt auf der Erde.

Genau das soll nun geändert werden. "Besonders wichtig bei dem Ansatz ist, dass die Rollen der einzelnen Personen klar definiert werden. Welche Wolle die Wissenschafter, die sogenannten Taxonomen, und andere Akteure wie Naturschützer und Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen spielen sollen, wird bei diesem Ansatz erklärt", so Kevin Thiele, Direktor von Taxonomy Australia und Co-Autor der Studie. Taxonomen bestimmen, wie Arten erkannt und beschrieben werden, daneben werden bei dem Prozess auch die Bedürfnisse anderer Akteure berücksichtigt. Ein fundamentales Prinzip ist aber, dass die wissenschaftliche Freiheit nicht eingeschränkt werden darf.

Die auf der Erde vorkommenden Arten sind dramatischen Bedrohungen ausgesetzt, deren Ausmaß nur wenige Male in der Geschichte des Lebens vergleichbar war. Klimawandel, Umweltverschmutzung, Verlust des Lebensraumes, Ausrottung und nicht-nachhaltige Nutzung sind die wesentlichen Ursachen der gegenwärtigen Aussterbekrise. "Die Entwicklung einer einheitlichen globalen Artenliste wird das Aussterben nicht stoppen", so Zachos, "aber sie ist ein wichtiger Schritt, um Natur- und Artenschutz für uns und für zukünftige Generationen zu ermöglichen". (red)