Sofern nicht umgehend und nachhaltig gehandelt wird, wird sich der jährliche Plastikeintrag in die Meere bis zum Jahr 2040 nahezu verdreifachen. Diese düstere Prognose gibt ein Forscherteam im Fachblatt "Science" ab. Schon jetzt ist der Ozean vom Plastikmüll geplagt. Hunderte Meerestierarten leiden. In Form von Mikroplastik kommt es auch in den Nahrungskreislauf des Menschen. Und die Covid-19-Pandemie hat hier keine Entlastung gebracht. Im Gegenteil: Sie erweist sich als zusätzliche Herausforderung im Kampf gegen die Verschmutzung der Meere, da der Verbrauch von Einwegplastik nach Auskunft der International Solid Waste Association während der Corona-Krise zugenommen hat. Die gute Nachricht: Die Forscher zeigen Lösungen auf, mit denen sich das Plastikvolumen um mehr als 80 Prozent verringern ließe.

Ohne Eindämmung erhöht sich die jährlich eingeschwemmt Menge in den kommenden 20 Jahren von elf Millionen Tonnen auf 29 Millionen Tonnen, was 50 Kilogramm Plastik pro Meter Küstenlinie weltweit entspricht, heißt es in der Studie. Da das Material über hunderte von Jahren im Wasser verweilt und möglicherweise nie biologisch abgebaut wird, könnte die kumulierte Menge auf 600 Millionen Tonnen anwachsen.

Der Maßnahmenkatalog

- © pew/systemiq
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Die Analyse von The Pew Charitable Trusts und SYSTEMIQ, einer Beratungsgesellschaft für neue Landnutzungs-, Kreislauf- und Energiesysteme, die vom Innsbrucker Forscher Martin Stuchtey gegründet wurde, zieht einen Szenarienvergleich: von der Fortsetzung des aktuellen Kurses (Business-as-usual) bis zur kompletten Umstellung des weltweiten Kunststoffsystems. Das Modell quantifiziert die mit jedem der Szenarien einhergehenden Auswirkungen auf Kosten, Klima und Arbeitsplätze.

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Zuerst müssten etwa bis 2040 täglich mehr als 500.000 Menschen an Abfalldienste angeschlossen werden. Der Maßnahmenkatalog sieht etwa eine verringerte Erhöhung von Kunststoffproduktion und Kunststoffverbrauch, den Ersatz von Kunststoffen durch Materialalternativen wie Papier und kompostierbare Materialien, ein recyclingfreundliches Design von Produkten und Verpackungen, die Ausweitung der Abfallsammelquoten in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen, die Steigerung des Recyclings und die Verringerung der Plastikmüllexporte vor.

Zudem könnten die Regierungen durch die im Bericht beschriebenen Veränderungen bis 2040 rund 70 Milliarden Dollar einsparen. Gleichzeitig ließen sich die prognostizierten jährlichen kunststoffbedingten Treibhausgasemissionen um 25 Prozent reduzieren und es könnten 700.000 Arbeitsplätze geschaffen werden, so die Forscher.

Keine Patentlösung

Selbst bei einer Umsetzung des von den Wissenschaftern genannten Systemwandel-Szenarios würden weiter jährlich noch mehr als fünf Millionen Tonnen Plastik in die Meere gelangen. "Es gibt keine Patentlösung für die Verschmutzung der Meere, doch wenn wir rasch und konzentriert handeln, können wir die Plastikwelle stoppen", betont Tom Dillon, Vizepräsident für Umwelt bei Pew. "Das Problem wurde innerhalb einer Generation erschaffen und der Bericht zeigt, dass wir es auch innerhalb einer Generation lösen können", erklärt Stuchtey. Bereits heute verfügbare Technologien wären dazu imstande. Die vollständige Unterbindung der Verschmutzung würde eine drastische Ausweitung von Innovationen und Investitionen mit erheblichen technologischen Fortschritten, neuen Geschäftsmodellen und einem verstärkten Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung erfordern.