Wie eine aktuelle Studie der Boku Wien zeigt, können sich Regenwälder schnell regenerieren. Damit lässt sich auch deren Fähigkeit, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden, berechnen, so die Forscher im Fachblatt "Forest Ecology and Management". Sie analysierten in der Nähe der österreichischen Tropenstation La Gamba im "Regenwald der Österreicher" in Costa Rica die Entwicklung von zwölf unterschiedlich alten Sekundärwäldern im Abstand von vier Jahren.

Die Wissenschafter nutzten seit dem Jahr 1968 aufgenommene Luft- und Satellitenbilder. Dazu wurden in den zwischen fünf und 55 Jahre alten Wäldern alle Bäume bestimmt und vermessen, woraus sich der gespeicherte Kohlenstoff berechnen lässt. Die erste Erhebung hat Florian Oberleitner im Rahmen seiner Masterarbeit an der Uni Wien durchgeführt, vier Jahre später wiederholte Carola Egger in ihrer Masterarbeit an der Uni für Bodenkultur (Boku) Wien die Messungen und analysierte die Veränderungen.

"Die Studie bestätigt, dass tropische Sekundärwälder sehr schnell nachwachsen können. In der Umgebung von La Gamba geht es auch im Vergleich zu anderen Regenwäldern besonders schnell, da es hier mit über 6.000 Millimetern pro Jahr wirklich viel regnet", so Peter Hietz vom Institut für Botanik am Montag in einer Aussendung. Die oberirdische Biomasse in den jungen Wäldern erreichte nach 20 Jahren rund 52 Prozent jener, die in alten Wäldern der Region gemessen wurde.

Wichtige Kohlenstoffsenke

Das bedeutet, dass jeder Hektar jungen Waldes in den ersten Jahrzehnten etwa 14 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) pro Jahr aufnimmt und langfristig im Holz der Bäume speichert. Für Anton Weissenhofer von der Uni Wien, der das Wiederbewaldungsprojekt der Tropenstation in La Gamba leitet, ist es "toll, dass die jungen Wälder, die als Korridor zur Erhaltung der Biodiversität geschützt werden, auch eine wichtige Kohlenstoffsenke darstellen".

Langsamer als die Biomasse nimmt die Zahl der Baumarten zu: Der Artenreichtum hat nach 20 Jahren rund 31 Prozent jenen der Altwälder erreicht. Selbst nach 50 Jahren entspreche die Biodiversität noch lange nicht jener eines unberührten Urwaldes, betonen die Forscher.

Die Studie konnte zeigen, dass die Regeneration des Waldes vom Boden und auch der Vornutzung abhängt. Wurde die Fläche nach einem Kahlschlag nicht landwirtschaftlich genutzt, regeneriert sich die Biomasse anfangs schneller als auf Flächen, die als Weide genutzt wurden. Jedoch nahm die Zahl der Baumarten schneller nach einer Beweidung zu. Die Forscher vermuten, dass dies von den lokalen Bedingungen abhängt und anderswo auch unterschiedlich verlaufen könnte. Hier würden Daten noch fehlen.

Regenwälder würden sich auch nicht unter allen Umständen regenerieren: In La Gamba gebe es zum Beispiel manche Flächen, wo auch nach 20 Jahren kein Baum nachgewachsen ist, weil ein aggressiver Farn die Keimlinge der Bäume unterdrückt. Für die Forscher ist es wichtig, zu verstehen, wovon der Verlauf abhängt. Denn dann könne man zum Beispiel "besonders vielversprechende Flächen bevorzugt schützen oder in schwierigeren Lagen durch gezieltes Pflanzen von Bäumen die Regeneration fördern", so Hietz.

Biologischer Korridor

Der Verein "Regenwald der Österreicher" hatte seit Anfang der 1990er Jahre 40 Quadratkilometer Wald im Südwesten Costa Ricas freigekauft, die inzwischen in den Nationalpark "Piedras Blancas" eingegliedert wurden. Seither verfolgen der Verein und die beteiligten Wissenschafter das Ziel, einen "biologischen Korridor" zwischen den Tiefland- und den Bergregenwäldern der Region zu schaffen - den "Corridor Biologico La Gamba" (Cobiga). Damit soll der Artenreichtum erhalten bleiben, der auf der Verbindung und dem Austausch zwischen diesen Lebensräumen beruht. Seit mehr als einem Jahrzehnt werden dafür Grundstücke gekauft und Weideland wiederbewaldet.