Bäume und Wälder sind Ressourcen, die vielen armen Menschen eine Lebensgrundlage geben, erklärte ein Expertenteam der "International Union of Forest Research Organizations (IUFRO)" mit Sitz in Wien in einem Bericht. Derzeit würden aber hauptsächlich wohlhabende Leute von der Waldnutzung profitieren. Die ärmere Bevölkerung trage hingegen die Kosten etwa in Form von Umweltschäden und Zugangsbeschränkungen zu Schutzgebieten.

40 Prozent der extrem armen Menschen leben nahe von Wäldern und in Savannen, also in Regionen mit Bäumen, und sie sind oft auf diese natürlichen Ressourcen für ihren Lebensunterhalt angewiesen, erklärte der Wiener Naturschutz- und Waldexperte Christoph Wildburger bei der Präsentation des Berichts "Wälder, Bäume und die Armutsbeseitigung: Möglichkeiten und Einschränkungen". Er koordiniert die Global Forest Expert Panel (GFEP) Initiative, deren Wissenschafter den Bericht nach zweijährigen Untersuchungen unter der Leitung von Daniel Miller von der University of Illinois (USA) erstellten.

"Die Nutzen und Kosten von Wäldern und Bäumen für das Wohlergehen von Menschen sind ungleich verteilt", erklären sie in einer Aussendung. In vielen Ländern Afrikas, die reich an Wald und Wildtieren sind, tragen die Holz- und Tourismuswirtschaft erheblich zum nationalen Einkommen bei. "Oft sind die Menschen vor Ort aber nicht die eigentlichen Nutznießer dieser Aktivitäten", schrieben sie: "Schlimmer noch, die ländlichen Gemeinden müssen oft die Kosten für die von der Holznutzung verursachten Umweltschäden oder die Zugangsbeschränkungen zu Schutzgebieten tragen".

Schutzgebiete könnten Armut reduzieren

Wenn die lokale Bevölkerung partnerschaftlich eingebunden wird, können die Schutzgebiete jedoch laut mehreren Studien die Armut reduzieren helfen, so die Forscher. Von Armut betroffene Menschen würden laut Untersuchungen auch von Systemen der gemeinschaftlichen Waldwirtschaft profitieren. "Dieses Potenzial wird in vielen Ländern aber bei weitem nicht ausgeschöpft", kritisieren sie. In Nepal sei solch ein Programm zwar sehr erfolgreich, die Haushalte armer Menschen und solche aus niedrigeren Kasten würden aber viel weniger dadurch gewinnen, als wohlhabende Haushalte.

Auch Erzeugerorganisationen seien ein wichtiges Instrument, um die Einträge gerechter zu verteilen. In Burkina Faso würden zum Beispiel 76 Prozent der Frauen von Einkommensverbesserungen durch Sheanuss-Produktionsgemeinschaften berichten. Frauen sind aber zum Beispiel in Madagaskar beim Vanilleverkauf benachteiligt. Dort wird 80 Prozent der weltweit produzierten Vanille geerntet, teils in Agroforstsystemen (das sind Mischflächen von Nutzhölzern und Acker-oder Weideflächen). Die Frauen kommen wegen sozialer Diskriminierung jedoch viel seltener an Verträge mit Exporteuren und Großhändlern als Männer.

"Eine Kernbotschaft des globalen Wissenschaftsberichts ist somit, dass die Armen selten die Hauptnutznießer der Güter sind, die Wälder und Bäume bieten, auch wenn diese für sie als Lebensgrundlage unverzichtbar sind", so die Wissenschafter. Im Sinne der Armutsbekämpfung solle man dies ändern, zum Beispiel indem man etwa Agroforstsysteme, gemeinschaftliche Waldbewirtschaftung und Ökotourismus forciert, so Miller.(apa)