Der einst auf Mauritius heimische Dodo gilt als Symbolfigur für eine rasante Ausrottung einer Spezies nach dem Erstkontakt mit Menschen. So klar liegt der Fall aber nicht. Forscher haben sich daher anhand der Klimageschichte der Frage angenähert, was einst zum Verschwinden größerer Tiere auf Madagaskar und der Inselgruppe der Maskarenen geführt hat. Verantwortlich dafür dürfte demnach der Mensch und eine Mega-Dürre gewesen sein, berichten sie im Fachblatt "Science Advances".

Madagaskar und die östlich davon gelegenen Inseln La Reunion, Mauritius und Rodrigues - zusammengefasst als Maskarenen bezeichnet - beherbergten in den vergangenen Jahrtausenden einige größere Tiere. Doch fast die gesamte madagassische Megafauna, zu der neben dem Dodo und anderen großen Vogelarten wie den bis zu 500 Kilogramm schweren Elefantenvögeln auch gorillagroße Lemuren oder Riesenschildkröten zählten, verschwand im Zeitraum von vor 1.500 bis ungefähr 500 Jahren. Das deckt sich im Fall der Maskarenen in etwa mit der im historischen Vergleich späten Besiedlung der Inseln durch Menschen. Wie groß die Rolle des Menschen am Verschwinden der großen Tiere war, sei bis dato nicht geklärt, heißt es am Freitag in einer Aussendung der Universität Innsbruck.

Ein Forschungsteam, dem auch der Innsbrucker Geologe Christoph Spötl angehörte, rekonstruierte nun anhand von Proben von Tropfsteinen aus Höhlen auf der Insel Rodrigues das Klima in der Region in der Rückschau. "Die Variationen in den geochemischen Signaturen lieferten uns jene Informationen, die nötig waren, um das Niederschlagsmuster der Region über die letzten 8.000 Jahre zu rekonstruieren", so Spötl. Die Hauptautorin der Studie, Hanying Li, von der Xi'an Jiaotong-Universität (China) setzte auf Basis der großteils in Tirol durchgeführten Analysen die Geschichte der Klimaschwankungen in der Region im Indischen Ozean zusammen.

Obwohl rund 1.600 Kilometer von Madagaskar entfernt, wird der Niederschlag auf Rodrigues durch den selben tropischen Regengürtel beeinflusst. Bleibt dieser zu weit nördlich hängen, leiden die Inseln unter Dürre. Die Daten zeigen nun, dass es in den vergangenen Jahrtausenden immer wieder Tendenzen zur Austrocknung gab und sogar wiederkehrende, jahrzehntelange "Megadürren" zu verzeichnen waren, so die Wissenschafter.

Die regionale Megafauna überstand aber offenbar alle dieser Trockenperioden - nicht so jedoch jene, die vor rund 1.500 Jahre begann. Für die Insel Rodrigues gehe man davon aus, dass ungefähr dann der Mensch dort auch erstmals präsent war. Da die auf Mauritius und Rodrigues ansässigen größeren Tiere zuvor schon schlimmere Dürren überstanden haben, dränge sich der Schluss auf, "dass ein zusätzlicher Stressfaktor zur Ausrottung der Megafauna der Region beigetragen hat", so Ko-Autorin Ashish Sinha von der California State University (USA). Demnach dürfte die Anwesenheit des Menschen dazu beigetragen haben, dass das Überleben der Tiere in der erneuten Trockenphase nicht mehr gelang. Tatsächlich verschwanden auf den beiden Inseln viele größere Wirbeltiere innerhalb zweier Jahrhunderte nach der Besiedelung durch den Menschen.