Wien. Auch unter den bekanntlich schlauen Rabenvögeln gibt es so etwas wie Großzügigkeit - zumindest unter bestimmten Umständen, wie ein Team um Wiener Forscher herausfand. Diese sind demnach gegeben, wenn die Tiere Jungvögel gemeinschaftlich aufziehen oder auf engem Raum zusammenleben und daher einander mit Toleranz begegnen müssen. Die Wissenschafter um Lisa Horn vom Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie an der Universität Wien berichten über ihre Erkenntnisse zum großen Einfluss des Soziallebens auf die Freigiebigkeit im Fachmagazin "eLife".

In einem Experiment konnten die Tiere durch eine Landung auf einer Sitzstange einen Wippenmechanismus auslösen, der ihren Gruppenmitgliedern Futter bescherte, nicht aber ihnen selbst. Zeigten Tiere dieses Verhalten, werteten die Wissenschafter das als Anzeichen für Großzügigkeit.

Prosoziales Verhalten

Genauso handelten den Beobachtungen zufolge vor allem Rabenvogel-Arten, die auch bei der Jungenaufzucht zusammenarbeiten. Bei männlichen Vögeln zeigten vor allem Vertreter von Arten diesen Wesenszug, die auf engerem Raum nisten. Es scheine hier eine gewisse Verbindung zu der Idee zu geben, dass aufgrund beengter Lebensverhältnisse entstandene Toleranz eine Rolle spielt, so die Forscher. Trotz ihrer erstaunlichen Geistesleistungen hatten die Vögel bisher nicht mit prosozialem Verhalten geglänzt.