Am höchsten hinauf kraxeln Bergsteiger in den Alpen am Mont Blanc auf 4.810 Meter. Und das Gebirge strebt noch weiter gegen den Himmel. Kräfte im Erdinneren drücken es stärker nach oben, als die Erosion mithalten kann. Das berichteten Forscher unter Leitung der Uni Bern.

Das internationale Team untersuchte den Fingerabdruck des chemischen Elements Beryllium im Quarzsand von mehr als 350 Flüssen im Alpenraum. Der Clou: Ein bestimmtes Isotop des Elements - Beryllium-10 - entsteht, wenn kosmische Strahlung auf die Quarzkörner trifft. Und je schneller eine Oberfläche abgetragen wird, umso weniger Isotope sind im Sand vorhanden.

Mithilfe dieser Methode zeichneten die Forschenden ein Bild über die Alpenerosion im Fachmagazin "Earth Science Reviews". Demnach erodieren die Berge der Zentralalpen im Wallis am schnellsten, nämlich mit einer Rate von 7.500 Millimeter pro Jahrtausend. Demgegenüber tragen Wind und Wetter die Berge rund um die Thur in der Ostschweiz am langsamsten ab - mit 14 Millimeter pro 1.000 Jahre ein fast schon langweiliger Abtragungswert, wie der Geologe Fritz Schlunegger laut einer Mitteilung der Uni Bern sagte.

Nur die Ostalpen schrumpfen

Aber trotz der bemerkenswerten Erosionsrate heben sich die Zentralalpen schneller als sie abgetragen werden - und streben so etwa 800 Millimeter pro Jahrtausend in die Höhe. "Das ist eine große Überraschung, denn bis jetzt sind wir davon ausgegangen, dass Abtragung und Hebung ungefähr gleich schnell ablaufen", sagte Schlunegger. Dies trifft denn auch für die Westalpen zu, die Ostalpen hingegen schrumpfen.

Ebenfalls fanden die Forschenden heraus, dass die Erosion an sehr steilen Hängen langsamer voranschreitet als erwartet. Auf blanken Felsplatten nagt der Zahn der Zeit gemächlicher. "Das war eine weitere Überraschung, denn wir dachten, dass ein sehr steiles Gelände sehr schnell abgetragen wird. Weshalb das nicht der Fall ist, wissen wir noch nicht", sagte der Mitautor Romain Delunel. (apa)