Lausanne. Eulen haben in jedem Kulturkreis eine andere Bedeutung: Entweder sind sie unheilvolle Nachtvögel, die Verderben ankünden, oder sie verkörpern Weisheit und bringen dem Menschen Glück. Forscher der Uni Lausanne gingen dem Aberglauben nun weltweit auf die Spur.

Den Kelten dienten Eulen als spirituelle Führer, die den Weg durch die Nacht beleuchteten. Die Römer ihrerseits assoziierten die Vögel mit Hexerei und schwarzer Magie. Tatsächlich leitet sich der Familienname der Eulen vom lateinischen Striga ab, was Hexe bedeutet. Noch heute ist der Aberglaube regional unterschiedlich. In Bern kündigt Eulengeschrei nicht den Tod, sondern die Geburt eines Kindes an. Ein mongolischer Glaube besagt hingegen, dass diese Vögel nachts in Häuser eindringen, um die Nägel der Menschen zu stehlen. Und in Kamerun ist die Eule zu böse, als dass man ihr einen richtigen Namen gegeben hätte: Sie wird "der gruselige Vogel" genannt.

Die Forschenden wollen den verschiedenen Glauben zu Eulen weltweit mit Fragebogen in 35 Sprachen auf den Grund gehen. Bisher nahmen bereits 10.000 Menschen an der Online-Umfrage teil und äußerten ihre Meinung zu den nachtaktiven Vögeln.

Erste Resultate zeigen, dass in Afrika der Aberglaube deutlich stärker ausgeprägt ist als etwa in Indien und den angelsächsischen Ländern. In Regionen, in denen Eulen besonders gefürchtet, gehasst oder sogar getötet werden, möchten die Forscher die Vögel mit Präventionsmaßnahmen gezielt schützen. "Um diese Raubvögel besser zu erhalten und ihr Überleben zu sichern, müssen wir zeigen, dass sie nützlich sind", so die Forscher.