Es gibt unterschiedlichste Gründe, warum sich Säugetiere gerne in Meeresnähe aufhalten. Der Mensch sucht vor allem Erholung, erfreut sich aber etwa auch an der reichen Nahrungsvielfalt, die die Meere zu bieten haben. Letzterer ist auch einer der Gründe, warum sich andere große Säuger gerne am Strand aufhalten. Zudem schätzen sie Meeresumgebungen auch, um Raubtieren und lästigen Insekten zu entkommen und Zugang zu Salzquellen zu haben, die im Landesinneren eher spärlich vorhanden sind. Dass Säugetiere auch schon vor 58 Millionen Jahren eine Präferenz für das Meer hatten, zeigt nun ein Wissenschafterteam in einer Publikation im Fachblatt "Scientific Reports".

Der Geologe Anton Wroblewski von der University of Utah und die Biodiversitätswissenschafterin Bonnie Gulas-Wroblewski vom Texas A&M Natural Resources Institute entdeckten in den Felsen der Hanna-Formation im Süden von Wyoming mehrere Sätze versteinerter Spuren, die wahrscheinlich vom braunbärgroßen Coryphodon stammen. Vor rund 58 Millionen Jahren befand sich Wyoming noch am Meer und große nilpferdähnliche Säugetiere zogen durch küstennahe Lagunen. Diese Spuren stellen die frühesten bekannte Beweise dar, dass sich große Säugetiere in der Nähe eines Ozeans versammelten.

In Sandstein konserviert

"Spurenfossilien wie Fußabdrücke zeichnen Wechselwirkungen zwischen Organismen und ihrer Umgebung auf und liefern Informationen, die Körperfossilien allein nicht liefern können", erklärt Wroblewski. "In diesem Fall zeigen Spurenfossilien, dass große Säuger nur acht Millionen Jahre nach dem Aussterben der Nichtvogeldinosaurier regelmäßig Meeresumgebungen nutzten."

Die entdeckten Spuren umfassen Unterabdrücke, Eindrücke in weichem Sediment, die entstehen, wenn schwere Tiere auf darüber liegenden Sedimentschichten laufen, sowie Abdrücke, die in die Oberflächen alter Wattflächen gedrückt werden. Mittlerweile sind die Spuren in Sandstein konserviert und umfassen eine Länge von einem Kilometer. Die Forscher ordnen diese zwei verschiedenen Tieren zu: Nämlich dem Fünfzeher Coryphodon - einem semi-aquatischen Säugetier, das einem Nilpferd ähnelt, und einem rätselhaften Vierzeher, wie es in der Publikation heißt.

Schon seit 30 Jahren suchen Forscher an der Stelle nach Knochen, Blattfossilien und Pollen. Die Fußabdrücke wurden erstmals im September 2019 entdeckt. Versteinerte Pflanzen und Pollen halfen den Wissenschaftern, das Alter der Spuren während des Paläozäns auf etwa 58 Millionen Jahre zu bestimmen. Wroblewski betont, dass die Hanna Formation-Abdrücke die ersten paläozänen Säugetierspuren in den USA und nur die vierten weltweit sind. Zwei Spuren wurden zuvor in Kanada und eine in Spitzbergen, Norwegen, gefunden.

Noch viele Spuren im Felsen

Während des Paläozäns war der Zugang zu Salzquellen in den tropischen Wäldern Nordamerikas möglicherweise eingeschränkt. Auch scheinen die anderen schon genannten Gründe wie Schutz vor Räubern und Insekten sowie der Zugang zu einzigartigen Nahrungsmitteln die Tiere dorthin gelockt zu haben.

Spurenfossilien würden Hypothesen von Verhalten und Evolution, die für gewöhnlich vorwiegend auf Isotopen-, Molekül- und Körperfossildaten basieren, optimal ergänzen, betont das Forscherpaar. "Keine andere Beweislinie erfasst direkt das Verhalten ausgestorbener Organismen, die in ihren bevorzugten Lebensräumen erhalten geblieben sind", erklärt Anton Wroblewski. Zudem gebe es "immer noch viele wichtige Informationen in den Felsen, die nur darauf warten, dass jemand sie entdeckt, wenn der Blickwinkel der richtige ist", betont der Geologe.