Ein Team unter Leitung der Schweizer Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat berechnet, wie sich die Eismassen von mehr als 5.000 Gletschern im Hochgebirge Asiens, dem sogenannten "dritten Pol" der Erde, verändern. Demnach kompensieren die winterlichen Schneefälle bei der Mehrheit der Gletscher im Schnitt weniger als die Hälfte der Schmelze.

Die Wissenschafter um Evan Miles von der WSL entwickelten auf Basis von Satellitendaten ein Berechnungsmodell, um das Verhältnis von Neuschnee und Schmelze auf den Gletschern von Jahr zu Jahr zu rekonstruieren. In ihrer im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlichten Studie legen sie die Ergebnisse für 5.527 Gletscher zwischen den Jahren 2000 und 2016 dar.


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Link zur Publikation im Fachmagazin "Nature Communications".
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Demnach verlieren siebzig Prozent der Gletscher jährlich Eis, wie die WSL mitteilte. Und die Mehrheit der Gletscher weise nur kleine Flächen auf, an denen Eis nachgebildet werde. Einzig die Gletscher im Karakorum- und Kunlun-Gebirge wuchsen im untersuchten Zeitraum.

Rund 250 Millionen Menschen sind auf das Schmelzwasser aus dem asiatischen Hochgebirge angewiesen. Allerdings kompensieren die winterlichen Schneefälle bei den meisten Gletschern durchschnittlich weniger als die Hälfte der sommerlichen Schmelze. Infolgedessen sei die Mehrheit der Gletscher in ihrer derzeitigen Form einfach nicht überlebensfähig, erklärte Miles.

Gletscherverlust auch ohne Erderwärmung

Auch wenn sich die Erde in Zukunft nicht weiter erwärmen würde, gingen bis zum Ende des Jahrhunderts rund zwanzig Prozent des Eisvolumens verloren, so die Studienautoren. Dadurch würde ein wichtiger Zufluss für Ströme wie den Indus, den Amudarja oder den Syrdarja versiegen. Der bevorstehende Klimawandel werde die Gletscherschmelze noch zusätzlich antreiben und die Wasserversorgung in einigen der tiefer gelegenen Regionen beeinträchtigen, so die WSL.

Eine kürzlich erschienene Studie der ETH Zürich und der französischen Université de Toulouse zeigte auf, dass die meisten Gletscher weltweit inzwischen im Rekordtempo wegschmelzen. Die Forscher wiesen ebenfalls daraufhin, dass bevölkerungsreichen Staaten wie Indien oder Bangladesch in wenigen Jahrzehnten Wassernot drohen könnte, wenn die Himalaya-Gletscher weiterhin mit steigendem Tempo schrumpfen. (apa/ag)