Aufgrund menschlichen Handelns sind weltweit zahlreiche Arten vom Aussterben bedroht. Die Folgen von Lebensraumzerstörung, Klimawandel, Übernutzung und Umweltverschmutzung sind für die Süßwassersysteme der Erde dramatischer als jene des Asteroideneinschlags vor 66 Millionen Jahren, der nicht nur die Dinosaurier, sondern auch 76 Prozent aller anderen Arten vernichtete, zeigte ein internationales Forscherteam mit Beteiligung des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien.

Süßwasser-Ökosystemen zeichnen sich durch eine hohe Artenvielfalt aus. Während sie nur ein Prozent der Erdoberfläche bedecken, beherbergen sie etwa zehn Prozent des globalen Artenreichtums. Doch die Aussterberaten in diesen Ökosystemen seien "alarmierend hoch", schreibt das Forscherteam um Thomas Neubauer und Thomas Wilke von der Universität Gießen, dem auch der Paläontologe Mathias Harzhauser vom NHM angehörte, in ihrer Arbeit.

Die Forscher sammelten in der Studie Daten von tausenden fossilen und lebenden Süßwasser-Schneckenarten Europas aus den vergangenen 200 Millionen Jahren. Damit konnten sie zeigen, wie schnell neue Arten entstehen und wie lange die Erholungsphasen nach großen Aussterbeereignissen dauern, teilte das NHM am Freitag mit.

Süßwasserarten akut bedroht

Der Studie zufolge waren die Auswirkungen vor 66 Millionen Jahren wesentlich stärker als bisher vermutet und hätten fast das Ende für das Leben im Süßwasser bedeutet. Als "wesentlich erschreckender" bezeichnen die Forscher allerdings, dass diese Krise von der vorhergesagten zukünftigen Aussterbewelle noch drastisch übertroffen wird. Ihren Angaben zufolge ist die prognostizierte Aussterberate von Süßwasser-Schnecken um drei Größenordnungen höher als beim Asteroiden-Einschlag.

Demnach ist bereits 2120 wahrscheinlich ein Drittel der heute lebenden Süßwasserarten verschwunden. "Das Tempo, mit dem wir heute Arten verlieren, ist beispiellos und wurde in der Vergangenheit noch nicht einmal bei größten Aussterbungskrisen erreicht", wird Neubauer in der Aussendung zitiert.

Die Wissenschafter weisen darauf hin, dass die Ökosysteme nach dem Asteroiden-Impakt fast fünf Millionen Jahre benötigten, um sich einigermaßen zu erholen, erst nach zwölf Millionen Jahren sei das Gleichgewicht zwischen Entstehen und Verschwinden von Arten wieder erreicht worden. "Wir denken in geologisch gesehen lächerlich kurzen Zeitspannen und dabei wird unser Handeln noch für Millionen von Jahren das Leben auf der Erde beeinflussen - selbst wenn es dann schon längst keine Menschen mehr geben wird", so Harzhauser. (apa)