Wenn Schmetterlinge wandern, gilt das heute als verlässliches Anzeichen für den Klimawandel. Eine Gruppe europäischer Wissenschafter hat nun aufgezeigt, dass sich das Verbreitungsgebiet von Gebirgs-Tagfaltern in den letzten 60 Jahren im Schnitt um über 300 Meter in die Höhe verschoben hat. Die Insekten verschwinden in niedrigeren Lagen und tauchen bergaufwärts wieder auf. Eine Bewegung, die irgendwann an ihre Grenzen stößt: Denn nach dem Gipfel ist Schluss, so die Forscher.

Heiße und trockene Sommer werden in Mitteleuropa immer häufiger. Das österreichisch-polnisch-deutsche Team hat darum die Verbreitung von Gebirgs-Tagfaltern im Bundesland Salzburg unter die Lupe genommen und untersucht, wie sich diese an die geänderten Umweltbedingungen angepasst haben. Die Ergebnisse wurde nun im Nature-Fachjournal "Scientific Reports" veröffentlicht. "Selbst in den vermeintlich kühleren Bergregionen sehen wir die Effekte des globalen Klimawandels", erklärt Jan Christian Habel, Professor für Zoologische Evolutionsbiologie an der Paris-Lodron-Universität Salzburg, der federführend an der Studie mitgewirkt hat.

Seit mehreren Jahrzehnten Aufwärtsbewegung

Die Forscher haben dazu historische Aufzeichnungen von über 5.800 Tagfalterbeobachtungen aus den Datenbanken des "Hauses der Natur Salzburg" mit hochauflösenden Klimadaten von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Salzburg korreliert und so die Verbreitungsgebiete der Tiere im Zeitraum 1960 bis 2019 analysiert. "Unsere Daten zeigen, dass sich die Lebensräume der Schmetterlinge des Salzburger Landes seit mehreren Jahrzehnten in höhere Lagen verschieben", erläuterte Erstautor Dennis Rödder vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels die Ergebnisse.

"Schmetterlinge reagieren hochsensibel auf Klimaveränderungen und folgen gewissermaßen ihrer spezifischen ökologischen Nische, in der sie die Umweltbedingungen vorfinden, die sie zum Überleben brauchen", erklärte der Salzburger Experte Habel. "Da es in Mitteleuropa wärmer wird, verlagern zahlreiche Arten ihr Verbreitungsgebiet in höhere Lagen. Das kann vor allem für Gebirgsarten zum Problem werden, denn solche vertikalen Verschiebungen sind endlich. Ihr gesamter Lebensraum wird - bedingt durch die Topographie - kleiner und die Frage bleibt, was passiert, wenn die Arten an den Gipfeln angekommen sind?"

Futterpflanzen "wandern nicht mit"

Laut der Studie werden zudem auch Interaktionen zwischen Arten gestört oder können nicht mehr stattfinden. Futterpflanzen von Schmetterlingen reagieren beispielsweise langsamer auf klimatische Veränderungen als ihre Konsumenten. "Vereinfacht könnte man sagen, dass die Pflanzen aufgrund ihrer geringeren Mobilität nicht schnell genug mitwandern können", so Habel. Ein Beispiel hierfür sei der Natterwurz-Perlmutterfalter (Boloria titania), dessen Verbreitungsgebiet sich immer weniger mit dem seiner bevorzugten Futterpflanze, dem Schlangen-Knöterich (Bistorta officinalis) überlappe.

Die Autoren der Studie sehen in den Ergebnissen eine Reaktion auf die Klimaerwärmung. "Wir befinden uns mitten in einer grundlegenden, rasant ablaufenden Veränderung der Umwelt. Zu glauben, dass die Effekte des Klimawandels nur in fernen Ländern existenzbedrohend sind, ist falsch und gefährlich!" so der Appell der Wissenschafter. (apa)