Wien. Ein Forschungsteam mit Wiener Beteiligung hat das Gift einer in Australien heimischen, wehrhaften Schmetterlingsraupe untersucht und ist dabei auf einen erstaunlich komplexen Giftcocktail gestoßen. Bis zu der im Fachblatt "Pnas" vorgestellten Entdeckung sei man davon ausgegangen, dass Raupen nur sehr einfache Gifte entwickeln. Manche der nun gefundenen 151 Protein-basierten Toxine könnten in der Medizin oder Landwirtschaft eingesetzt werden.

Doratifera vulnerans mit ihren gespenstischen Fortsätzen und Stacheln. - © Wikimedia Commons
Doratifera vulnerans mit ihren gespenstischen Fortsätzen und Stacheln. - © Wikimedia Commons

Die Tiere namens "Doratifera vulnerans" krabbeln etwa durch Queensland und gehören zur Schmetterlingsfamilie der Schneckenspinner. Schon ihr Aussehen der signalisiert "Vorsicht", ist das Tier doch mit gespenstischen Fortsätzen und kleinen Stacheln ausgestattet. Für zusätzliche Abschreckung sorgt ihr auch beim Menschen Schmerzen auslösendes Gift, über dessen Zusammensetzung kaum etwas bekannt war.

In der Studie zeigte sich, dass das Gift der Raupe alles andere als einfach aufgebaut ist. Die nicht weniger als 151 Proteine besitzen zwar Überschneidungen mit Giftcocktails, die von Spinnen, Bienen, Wespen oder Ameisen im Laufe der Evolution entwickelt wurden, die Zusammensetzung des schmerzhaften Raupengifts sei jedoch einzigartig.

Gegen Krankheitserreger

Die Forscher fanden heraus, dass der Schmerzeffekt von einer Gruppe von Aminosäureverbindungen (Peptiden) ausgelöst wird, die antibakteriell und -mikrobiell wirken. Manche der Toxine hätten Potenzial, um in der Landwirtschaft etwa gegen schädliche Fadenwürmer eingesetzt zu werden. Auch ein Einsatz gegen Krankheitserreger sei vielversprechend.