In Österreich und anderen Regionen Europas nehmen die Hochwasser durch den Klimawandel zu, erklärte der Wiener Hydrologe Günter Blöschl im Gespräch mit der APA. Die Leute sollten sich darauf vorbereiten und von Fehlern aus anderen Gebieten mit Überflutungserfahrung lernen. Die verheerendsten Auswirkungen hatten laut Studien nämlich Hochwasser, von denen sich die Leute überraschen ließen, berichtet er mit Kollegen im Fachjournal "Nature Reviews Earth & Environment".

"Die zu erwartenden Änderungen sind in einem Bereich, die es der Gesellschaft zumindest in den gut entwickelten Ländern erlauben, sich darauf einzustellen", sagte Blöschl, der am Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie der Technischen Universität Wien forscht. Wie viel Schaden ein Hochwasser ausrichten kann, würde nicht nur von seinen hydrologischen Ausmaßen bestimmt, sondern auch dem Verhalten der Bevölkerung und der Hochwasserdienste.

Vollkommenen technischen Schutz gibt es nicht

Sich mit technischen Mitteln vollkommen vor Hochwassern zu schützen, wäre unmöglich. Irgendwann geht jeder noch so hohe Damm über oder bricht. "In Wien funktioniert der Hochwasserschutz beispielsweise bis 14.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde", so Blöschl: "Mit allem was darüber hinausgeht, muss man anders umgehen, beispielsweise mit Versicherungen und durch Raumplanung."

Weltweit könne man immer besser mit Hochwassern umgehen. Obwohl durch das Bevölkerungswachstum vor allem in Asien immer mehr Menschen in gefährdeten Gebieten leben und die Gefahr durch den Klimawandel steigt, gibt es immer weniger Todesopfer.

"Die Menschen sind Gewohnheitswesen, die aus der Erfahrung lernen", sagte Blöschl. Auch in Österreich habe man viele Lehren aus dem Hochwasser 2002 gezogen und war das nächste Mal (2013) besser vorbereitet. So wurden etwa die Vorhersagen aktualisiert und die Warnketten effektiver gestaltet. Auch beim Rheinhochwasser in Köln 1995 habe es zum Beispiel trotz höherer Wassermengen zwei Drittel weniger Schäden gegeben als noch 1993.

Überraschung trotz Prognosen

"Aber nur aus den eigenen Fehlern lernt man sehr gut, bei den Fehlern anderer ist das für die Menschen sehr schwierig", meinte der Co-Autor des Überblicksartikels. Die heuer von den verheerenden Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen heimgesuchten Menschen wurden von den Wassermassen überrascht, obwohl die hydrologischen Prognosen vorhanden waren. Die Behörden und die Bevölkerung wussten damit jedoch nichts anzufangen. "Die Leute haben nicht gewusst, was sie tun sollen damit", erklärte Blöschl. Das sei auch nicht weiter verwunderlich, immerhin hatte man dort seit Generationen kein großes Hochwasser gesehen. "Deshalb ist meine Botschaft in dem Zusammenhang: Man sollte vermehrt aus den Fehlern der anderen lernen, nicht nur aus den eigenen."

In Nordwesteuropa bis Deutschland und Österreich nördlich des Alpenhauptkammes zeigen wissenschaftliche Studien und Modelle künftig eine Zunahme der Hochwasser, berichtete Blöschl. In Südeuropa gäbe es vermehrt regionale Hochwasser durch lokale Gewitter und Starkregen, dafür sinken die Überschwemmungen bei den großen Flüssen. Auch im Süden Österreichs werden Gewitter häufiger die Flüsse über die Ufer laufen lassen, so die Studien. In Osteuropa sind vor allem Hochwasser durch Schneeschmelze problematisch, sie werden wegen tendenziell geringerer Schneemengen aber seltener.

Nass auf Nass ist gefährlich

Die Forscher stellten auch fest, dass fatale Fluten oft andere Entstehungsmechanismus haben, als harmlose, kleine Überschwemmungen. "Häufig fallen mehrere ungünstige Vorbedingungen zusammen und dann gibt es ein Desaster", sagte Blöschl. So ist etwa nass auf nass sehr gefährlich. Bei den extremen Überschwemmungen 2002 in Zentraleuropa trafen etwa Rekordniederschlagsmengen auf recht wassergesättigte Böden, die nicht mehr viel Feuchtigkeit aufnehmen konnten. 2013 fußten die Probleme wiederum auf moderaten Niederschlägen, die bei extrem nassen Böden größtenteils oberirdisch ablaufen mussten.

Auch in Nordrhein-Westfalen waren kürzlich Gewitterzellen mit Starkregen der Auslöser des Desasters, weil sie in großräumige Niederschläge eingebettet waren, die die dortigen Böden extrem feucht gemacht hatten, erklärte Blöschl. Gefährlich würde es auch, wenn aus zwei oder mehreren Teilgebieten die Hochwasserwellen in den Flüssen so kollidieren, dass die jeweiligen Maxima zusammenfallen. (apa)