Wien/Innsbruck. Werden Gebiete, auf denen einst tropische Wälder standen, nicht übermäßig landwirtschaftlich genutzt, kann die Natur dort wieder relativ rasch Wurzeln schlagen. Nach rund 20 Jahren können viele Pflanzen in Mittel- und Südamerika sowie in Westafrika wieder ähnlich gut wachsen wie vor dem Eingriff. Bis sich dort jedoch wieder eine ähnliche Artenvielfalt findet und so viel Biomasse gespeichert wird wie einst, vergehen rund 120 Jahre, berichtet ein Forschungsteam im Fachblatt "Science".

Der Trend zur Umwandlung von tropischen Wäldern in landwirtschaftliche Flächen hat in den vergangenen Jahrzehnten ein alarmierendes Ausmaß angenommen. Gleichzeitig zeige sich, dass die Natur imstande ist, solche Gebiete wieder zurückzuerobern, schreibt das Team der Wageningen University in den Niederlanden. Untersucht wurde, wie dieser Prozess an insgesamt 77 Orten vonstattengeht und welche Konsequenzen das haben könnte.

Nährstoffgehalt im Boden

So fanden die Forscher heraus, dass die Beschaffenheit des Bodens und der Nährstoffgehalt in tieferen Erdschichten durch eine nicht allzu intensive Bewirtschaftung oftmals weniger stark beeinträchtigt war als angenommen.

Nach rund zehn Jahren würden vielerorts frühere Werte wieder erreicht. Das könne auch damit zusammenhängen, dass Pionierpflanzen, die solche Flächen als erste wieder in Besitz nehmen, viel Laub produzieren und rasch mitunter tiefe Wurzeln schlagen.

Relativ schnell würden sich in der Folge Pflanzen dazugesellen, die sich länger halten. 25 bis 60 Jahre braucht es, bis die Waldstruktur und die Artenvielfalt wieder an das alte Niveau heranreichen. Bis sich dann aber auch annähernd so viel Biomasse und die in etwa gleiche Artenzusammensetzung wie vor der agrarischen Nutzung dort findet, benötigen die Ökosysteme um die 120 Jahre.