Angeregt durch Gezeiten, Wind, natürliche Erdbeben und menschliche Aktivitäten ist der Gipfel des Matterhorns in der Schweiz ständig in Schwingung. Im Vergleich zu Bewegungen am Fuß des Berges seien diejenigen auf dem Gipfel bis zu 14 Mal stärker, teilte das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) am Mittwoch mit. Dieser Unterschied lässt sich demnach dadurch erklären, dass der Gipfel frei schwingen könne, während der Fuß des Berges fest verankert sei.

Die Verstärkung der seismischen Energie an steilen Bergen spielt eine wichtige Rolle, um die Gefahr von Fels- und Hang-Instabilitäten bei einem Erdbeben zu beurteilen. Die Wissenschafter um Samuel Weber am WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) installierten rund um das Matterhorn Seismometer, die den Puls des frei stehenden Berges in den Walliser Alpen fühlten. Sie platzierten Mess-Stationen unmittelbar am Gipfel, entlang des Grats sowie am Fuß des Berges. Demnach bewegt sich der 4.470 Meter hohe Gipfel in gut zwei Sekunden um wenige Nano- bis Mikrometer hin und her.

Saisonale Schwankungen

Die Schwingung erfolge zum einen in Nord-Süd-Richtung sowie in ungefähr gleicher Frequenz von 0,42 Hertz in Ost-West-Richtung, wie das Team im Fachmagazin "Earth and Planetary Science Letters" berichtet. Saisonale Schwankungen, ausgelöst beispielsweise durch Temperatur- oder Eis-Veränderungen, konnten die Forschenden nicht beobachten.

Seismologen des Schweizerischen Erdbebendienstes führten ähnliche Messungen am Großen Mythen durch. Demnach zeigten sich an diesem "Miniatur-Matterhorn" ähnliche Schwingungsmuster, allerdings war die Frequenz bei diesem 1.898 Meter hohen Berg rund vier Mal höher als bei seinem großen Walliser Bruder. (apa)