Tierschützer beklagen ein Massensterben von Rentieren am Nordpolarmeer in Russland. Der Bestand der weltweit größten Population auf der Taimyr-Halbinsel sei seit 2014 von 417.000 auf nunmehr 250.000 Tiere geschrumpft, teilte die Umweltschutzorganisation WWF am Mittwoch in Berlin mit. Im Jahr 2000 seien noch eine Million Rentiere in der Tundra gezählt worden. Gründe für den Rückgang liegen demnach im Klimawandel und in der Wilderei.

"Wir werden Zeuge eines wahren Rentier-Massakers. Wilderer erlegen die Tiere im großen Stil", sagte die Arktis-Expertin Eva Klebelsberg. Die Nachfrage nach Rentierfleisch in russischen Städten sei gewachsen. "Stellenweise werden auch die Geweihe zu Pulver verarbeitet und als Heilmittel, etwa in China, vermarktet", sagte sie. Zudem wirke sich der Temperaturanstieg auf den Bestand aus.

In der Vergangenheit hätten die Herden auf ihren Wanderungen im arktischen Frühjahr meist problemlos die zugefrorenen Flüsse überqueren können, teilte der WWF weiter mit. Wenn Kälber zur Welt kommen, seien die Flüsse inzwischen immer häufiger aufgetaut. Die neugeborenen Jungtiere müssten deshalb mehrere Kilometer durchs eiskalte Wasser schwimmen. Dabei sterben laut WWF viele Kälber.  (apa /dpa)