Sonnenschutzmittel schädigen wichtige Einzeller im Meer. Es handelt sich dabei um Foraminiferen - winzige, schalentragende Lebewesen, die einen wesentlichen Beitrag zum globalen marinen Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf leisten. Speziell Wirkstoffe in als "umweltfreundlich" vermarkteten Sonnencremes greifen Kieselalgen an, die in Symbiose mit den Foraminiferen leben und für deren Stoffwechsel essenziell sind, berichten Wiener Forscher im Fachjournal "Scientific Reports".

Foraminiferen gibt es schon seit Hunderten Millionen Jahren, sie sind aufgrund ihrer langlebigen Schalen wichtige Leitfossilien für vergangene Erdzeitalter. Anhand ihrer Gehäuse kann man etwa auf das Klima in der Vergangenheit rückschließen.

Der überwiegende Teil der Foraminiferen-Arten lebt im Meer und ernährt sich von pflanzlichem Plankton (Phytoplankton), also etwa von Algen. Viele Foraminiferen-Arten nutzen Algen aber auch auf andere Weise als Energielieferant: Weil die Algen Photosynthese betreiben können, leben die Foraminiferen mit ihnen in Symbiose und sind von der Fähigkeit der Algen abhängig, mittels Sonnenlicht Kohlenhydrate herzustellen.

Störung im Kohlenstoffkreislauf

"Aufgrund der großen Menge an Foraminiferen in den tiefen wie auch flachen Gewässern und deren Aufnahme von Phytoplankton kann davon ausgegangen werden, dass sie einen wesentlichen Beitrag zum globalen marinen Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf leisten", erklärt Petra Heinz vom Institut für Paläontologie der Universität Wien in einer Aussendung. Diese Funktion könnte allerdings vor allem in küstennahen Gebieten durch die Verschmutzung mit Rückständen von Sonnencremes beeinträchtigt werden.

Die Forscher des Instituts um Michael Lintner haben in ihrer Studie die Großforaminiferenart "Heterostegina depressa" untersucht, die mit Kieselalgen in Symbiose lebt. Sie konnten zeigen, dass die photosynthetische Leistung der Kieselalgen durch Sonnenschutzmittel geschädigt wird.

Schädliche Nanopartikel

Für die Studie wählten die Wissenschafter vier Sonnenschutzmittel aus, zwei davon werden als "umweltfreundlich" vermarktet. Zudem testeten sie die Wirkung von reinem Ensulizol, das häufig als UV-Blocker in Sonnenschutzmitteln eingesetzt wird.

Sie zeigten, dass insbesondere Ensulizol einen starken negativen Einfluss auf die Kieselalgen hatte. Zudem beeinträchtigten vermeintlich "umweltfreundliche" Sonnenschutzmittel die Gesundheit von Foraminiferen stärker als konventionelle. "Wir gehen davon aus, dass insbesondere Metall-Nanopartikel wie Titandioxid oder Zinkoxid von 'umweltfreundlichen' Sonnenschutzmitteln diese Wirkung verursachen", so Lintner. Diese Stoffe seien bereits früher als toxisch für mehrere Mikroorganismen eingestuft worden. (apa/cm/nt/hai)