Gegen den dramatische Schwund der Artenvielfalt soll in diesem Jahr ein weltweites Rahmenabkommen zum Schutz der Biodiversität verabschiedet werden. Am Montag beginnen in Genf unter dem Dach der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) die Schlussverhandlungen über das Abkommen, das noch in diesem Jahr in Kunming in China verabschiedet werden soll. Bis zum 29. März dauern die Vorbereitungskonferenzen.

Unter anderem tagt ein Ausschuss für wissenschaftliche, technische und technologische Beratung der CBD und eine Arbeitsgruppe, die den neuen globalen Biodiversitätsrahmen vorbereitet. Ein weitreichendes Abkommen sei am Ende nötig, um die Welt vor künftigen Pandemien zu schützen, sagte die Leiterin des CBD-Sekretariats, Elizabeth Maruma Mrema. "Die Menschen rücken immer näher an die Wildtiere heran, die Tierwelt rebelliert dagegen", sagte sie. "Die Arten können nicht warten - entweder wir machen voran oder wir bereiten uns auf eine neue Pandemie vor."

Die Biodiversität umfasst neben der Artenvielfalt auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und eine Vielfalt der Lebensräume. Nach Angaben von Mrema sind im Jahr 700 Milliarden Dollar (rund 640 Mrd. Euro) für Schutzmaßnahmen nötig. Wenn die rund 500 Milliarden Dollar, die nach ihren Angaben heute in für die Artenvielfalt schädliche Subventionen fließen, umgewidmet würden, sei schon viel erreicht.

Jede sechste Säugetierart in Europa bedroht

"Eine Million Tier- und Pflanzenarten könnte in den kommenden Jahrzehnten verschwinden, wenn wir das Artensterben nicht aufhalten. Alleine in Europa ist jede sechste Säugetierart bedroht. 39 Prozent aller Tierarten Österreichs sind gefährdet", sagte Lukas Meus, Artenschutzexperte bei Greenpeace in Österreich.

Ohne Natur könne der Mensch nicht überleben, betont der Weltbiodiversitätsrat IPBES. 75 Prozent der Nahrungsmittelpflanzen, einschließlich Obst und Gemüse sowie Nutzpflanzen wie Kaffee, Kakao und Mandeln, sind auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen. Eine Million Tier- und Pflanzenarten - mehr als zwölf Prozent aller Arten - sei vom Aussterben bedroht, teils schon innerhalb weniger Jahrzehnte. Das Artensterben sei heute mindestens zehn- bis hundertmal heftiger als im Durchschnitt in den vergangenen zehn Millionen Jahren. Zwischen 1970 und 2016 sind die Populationen beobachteter Wirbeltierarten nach dem Living Planet Index der Umweltstiftung WWF und anderen Organisationen um 68 Prozent geschrumpft.

NGOs: Ziele müssen bindend sein

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert, dass mit dem Biodiversitätsrahmen mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen bis zum Jahr 2030 verpflichtend unter Schutz stehen. Gleichzeitig müssen die Rechte indigener und lokaler Gemeinschaften auf ihr Land bewahrt und gestärkt werden. Aus Sicht der NGO ist es essenziell, dass die Ziele bindend sind und verpflichtend umgesetzt werden. Regierungen müssen darum konkret festlegen, wie die Ziele auf internationaler und nationaler Ebene erreicht werden können.

In Genf verhandeln mehr als 1.000 Vertreterinnen und Vertreter der 196 CBD-Vertragsstaaten. Sie hatten sich 2010 in Aichi in Japan schon 20 Biodiversitätsziele gesetzt, um den Verlust der Artenvielfalt bis 2020 zu bekämpfen, davon global aber kein einziges vollumfänglich erreicht. Die Konvention über die Biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) trat 1994 in Kraft und gilt als wichtigstes Instrument für den Artenschutz. (apa)