Die bewegte Geschichte eines in der Sammlung des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien befindlichen, im Jahr 1858 in Rumänien gefallenen Meteoriten hat ein internationales Forschungsteam nun enthüllt. Im Fachmagazin "Scientific Reports" berichtet es über den ersten Nachweis von durch die einstige Anwesenheit von Wasser veränderten Gesteinen in einem "Gewöhnlichen Chondriten".

Bei Chondriten handelt es sich um die häufigste Meteoriten-Art. Diese sind seit ihrer Entstehung in der Frühzeit des Sonnensystems vor rund 4,5 Milliarden Jahren erhalten geblieben und gelten damit als sehr ursprüngliche Bausteine unseres näheren kosmischen Umfeldes.

Der zu den "Gewöhnlichen Chondriten L6" gehörende Brocken mit dem Namen "Kakowa Meteorit" fiel am 19. Mai 1858 in Rumänien und wurde schon wenige Minuten nach dem Aufprall geborgen. Kurz danach gelangte er nach Wien und in die Sammlung des NHM, wo er heute im Meteoritensaal des Museums zu sehen ist.

Ein Team um den griechischen Forscher Ioannis Baziotis, dem auch der Kurator der Meteoritensammlung des NHM, Ludovic Ferrière, und Kollegen aus den USA angehörten, sah sich das Gestein nun mit modernen Analysemethoden genau an. Seinen Ausgangspunkt nahm die Forschung im Rahmen des in Wien durchgeführten, seitens der EU geförderten Forschungsprojekts "SYNTHESYS", hieß es am Dienstag in einer Aussendung.

Die frühe Geschichte solcher Funde kann durchaus bewegt sein, denn in den ersten Jahrmillionen ihrer Existenz wurden sie mitunter durch radioaktiven Zerfall aufgeheizt oder durch Kollisionen mit anderen Bausteinen des frühen Sonnensystems verändert.

So erging es auch dem "Kakowa Meteorit": Durch ein "starkes Schockevent" formten sich Adern aus einst geschmolzenem Gestein in dem Chondriten. Dann folgte ein weiterer, schwächerer Schock, der wasserhaltige Minerale in den Bruchlinien entstehen ließ, so Baziotis. Aus der großen Anzahl an Mineralen, die unter hohem Druck entstanden sein müssen, lassen sich viele Schlüsse über einen Zusammenprall ziehen, der vor vielen Millionen Jahren stattgefunden hat.

Dass gewöhnliche Chondriten offenbar genug Flüssigkeit enthalten konnten, dass dadurch wasserhaltige Minerale entstanden, gebe neue Hinweise darauf, wo die für die Entstehung von Leben so wichtige Zutat überall enthalten gewesen war. Letztlich offenbarte sich in der neuen Analyse "ein einzigartiger Beweis für eine Veränderung durch eine Flüssigkeit, die man in einem Chondriten noch nie gesehen hat", so Ferrière. (apa)